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Predigt an Weihnachten 2013

25. Dezember 2013, Klosterkirche Einsiedeln, Pater Cyrill Bürgi

Liebe Schwestern und Brüder,

Vor einem Monat veröffentlichte Papst Franziskus sein erstes Apostolisches Schreiben EVANGELII GAUDIUM, die Freude des Evangeliums. Sie werden dieses Dokument lieben, denn darin empfiehlt er den Priester, sich bei der Predigt kurz zu halten.

Die Freude des Evangeliums besteht aber nicht in der Kürze, sondern in der Freude an der Liebe Gottes. Es ist die Freude von Weihnachten: Gott wird Mensch. Er wird Fleisch, das heisst er, der Unfassbare, wird fassbar. Er, der überall ist, lokalisiert sich unter uns. Die Menschwerdung Gottes setzt sich heute fort und vollzieht sich in uns. Je mehr wir die Dimensionen dieses Glaubensgeheimnisses begreifen, umso mehr werden wir von seiner Freude erfasst werden.

Deswegen richtet sich Papst Franziskus an uns mit den Worten: "Ich lade jeden Christen ein, gleich an welchem Ort und in welcher Lage er sich befindet, noch heute seine persönliche Begegnung mit Jesus Christus zu erneuern oder zumindest den Entschluss zu fassen, sich von ihm finden zu lassen, ihn jeden Tag ohne Unterlass zu suchen. Es gibt keinen Grund, weshalb jemand meinen könnte, diese Einladung gelte nicht ihm, denn niemand ist von der Freude ausgeschlossen, die der Herr uns bringt" (EG 3).

Die Erfahrung von Mangel an Freude mache ich in meinem persönlichen Leben sehr wohl – Sie wahrscheinlich auch. Vor allem da, wo ich anstehe, habe ich Schwierigkeiten zu glauben, dass Gott mir zur Seite steht. Der schöne Satz, "Fürchte dich nicht. Ich bin mit dir" (vgl. Jes 41,10), geht an mir oft ungehört vorüber. Es ist, als ob meine Finsternis sein Licht nicht erfasse, als ob ich ihn nicht in sein Eigentum aufnehme.

Gott, der grösste Liebhaber, ist aber kreativ genug, um neue Wegen zu finden, mir zu begegnen. Liebende finden immer einen Weg. Das entlastet, nicht wahr?

"Die Freude des Evangeliums erfüllt das Herz und das gesamte Leben derer, die Jesus begegnen. […] Mit Jesus Christus kommt immer – und immer wieder – die Freude" (EG 1). Mit seinem Schreiben wendet sich Papst Franziskus an die Gläubigen, um zu einer neuen Etappe der Evangelisierung einzuladen, die von der Freude geprägt ist, und um Wege für den Lauf der Kirche in den kommenden Jahren aufzuzeigen.

Es ist in der Tat Zeit für eine neue Etappe. Weihnachten macht es uns wieder bewusst. Die ganze Welt weiss, dass Weihnachten ist. Schon vor dem Advent kündeten die Schaufenster das grosse Ereignis an. Sterne und Lichter erleuchteten die Strassen und Gärten und verhiessen das grosse Fest. Die ganze Geschäftswelt machte bestes Marketing für Weihnachten. Und das Marketing funktioniert. Auch wer nichts mit dem heutigen Tag anfangen kann, weiss, dass Weihnachten ist. Es ist so, wie der Prophet Jesaja verheissen hat: "Alle Enden der Erde sehen das Heil unseres Gottes" (Jes 52,10).

Bessere Bedingungen für die frohe Botschaft können wir uns kaum vorstellen. Das Marketing für die geheiligte Nacht ist unüberbietbar. Wir dürfen diese Gratiswerbung nun mit Inhalt füllen. Als Christen haben wir etwas zu sagen. Wir haben eine frohe Botschaft für alle Welt: Gott ist Mensch geworden für uns. Gott ist uns nahe, ja mitten unter uns. Er ist fassbar geworden. Wir dürfen einander "Frohe Weihnachten" wünschen und müssen uns nicht mit dem neutralen "Frohe Festtage" begnügen. Wir dürfen uns über das denkbar grösste aller Geschenke, Gott selber, freuen und müssen uns nicht mit gutgemeinten Präsenten zufrieden geben. Das perfekte Marketing dürfen wir mit dem perfekten Inhalt ausfüllen: Jesus Christus. Er ist durch jeden einzelnen von uns gegenwärtig. Wir sind Träger dieser frohen Botschaft. Unsere Schritte sind die Schritte der Freudenboten (vgl. Jes 52,7).

Die neue Etappe der Evangelisierung geschieht dadurch dass wir die Menschenwerdung Gottes durch uns geschehen lassen, dass wir uns von seinem Geist, seinem Denken, seinem Willen, seiner Liebe durchdringen lassen.

Letztlich sind wir die Träger des Marketing für Weihnachten. Unser Lächeln ist ein Lächeln Gottes. Unser Verzeihen und Gedulden ein Verzeihen und Gedulden Gottes. Unsere Freuden und Leiden sind Gottes Freuden und Leiden.

Die Predigt hätte wahrscheinlich noch kürzer ausfallen können, wenn ich einfach gesagt hätte: "Die Freude des Evangeliums wirkt umso anziehender, je mehr Christus in mir Fleisch annimmt."