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Predigt am Hoher Donnerstag 2014

17. April 2014, Klosterkirche Einsiedeln, Abt Urban Federer

«Was schenkt Ihr jemandem, von dem Ihr Euch trennen müsst?» Das, liebe Brüder und Schwestern, fragte ich auf Facebook meine Freundinnen und Freunde. Die Antworten kamen prompt: ein Foto, ein Gegenstand, der beiden wichtig ist, ein Brief, eine CD oder ein Buch, das beide verbindet, oder einfach Zeit. Wir schenken zum Abschied also etwas, was für eine Beziehung prägend war und in Erinnerung bleiben soll. Ein Grillspezialist schlug etwas anders vor. Er schrieb mir, er würde sich vor der Trennung von der anderen Person einen Gutschein beim Metzger schenken lassen – und dann sei eigentlich ein Wiedersehen garantiert! Ein Geschenk also, das nicht etwa die Trauer über die Trennung verstärkt, sondern das Wiedersehen ermöglicht!

Fast kommt in mir die Vermutung auf, Jesus hätte vor seinem Abschied in meinem Facebook-Profil gelesen. Dort wird als Geschenk die Kraft der Erinnerung gefordert, die sich tief einprägen soll. Und weiter wird gefordert, dass wir uns mit einer Trennung nicht einfach abfinden sollen: Ein Abschiedsgeschenk soll das Wiedersehen ermöglichen. Was schenkt denn Jesus seinen Jüngern an diesem Abend, an dem er weiss, dass er bald umgebracht wird? Fotos und CDs waren damals keine Option. Er feiert mit ihnen einfach ein Mahl, ein Essen, ein Fest. Wir können jetzt denken, dass das nicht sehr originell ist, aber wir müssen zugeben: seine Idee hat alle Zeiten überdauert. 2‘000 Jahre später wird dieses Mal auf der ganzen christlichen Welt immer noch gefeiert! Auch wir, hier und heute, feiern darum zusammen sein Abendmahl, weil er damals sagte: «Tut dies zu meinem Gedächtnis!»
Jesus Christus hätte aber nicht zum Abschied ein letztes Mahl feiern können, wäre das nicht schon vorher unter seinen Jüngern normal gewesen. Er hat immer wieder an Festen teilgenommen, bei der Hochzeit von Kanaan sogar sein erstes Zeichen gesetzt! Nach seiner Auferstehung erkannten ihn die Jünger in der Art, wie er das Brot brach uns seinem Vater dankte. Das hat Christus offensichtlich immer so getan, wenn er mit ihnen ein Mahl feierte. Das Abendmahl erinnert also auch daran, wie Christus feierte. So überliefert es der Korintherbrief, der älter als die Evangelien ist, wo der hl. Paulus schreibt: Er nahm das Brot, brach es, gab es und sagte. Und genauso feiert es die Kirche auf der ganzen Welt heute noch, um sich an Christus und seine Worte zu erinnern.
Dieses Abschiedsgeschenk geht aber noch weiter. Er feiert an diesem Abend mit seinen Jüngern nicht irgendein Mahl, sondern das Pascha-Mahl, das jüdische Mahl, das an den Auszug in Ägypten erinnert. Es ist ein Mahl der Befreiung, das immer dann, wenn wir es feiern, uns zu freien Kindern Gottes machen möchte, zu Menschen, die die Freiheit und das Leben suchen und lieben. Und weil damals in Ägypten in der Pascha-Nacht ein Lamm geschlachtet und dessen Blut an die Türpfosten gestrichen wurde, um das Böse, den Tod abzuhalten, gibt Jesus uns auch vom Wein und sagt: Das ist nun das Blut Eurer Befreiung, mein Blut, das euch vom Tod rettet und frei für das Leben macht.

Meine Lieben, das letzte Abendmahl ist voll von der Kraft der Erinnerung, es hat sich über Jahrtausende tief in das Gedächtnis seiner Kirche eingeprägt, wir leben heute noch daraus. Doch darf dieses Abschiedsgeschenk, dieses Abendmahl, nicht einfach zu einer religiösen Pflichtübung verkommen, die einfach schön sein muss. Jesus legt alles in Brot und Wein hinein, seine ganze Haltung den Menschen gegenüber. Morgen werden wir diese Haltung in den Mittelpunkt unserer Feier setzen: Er nimmt sogar das Kreuz in Kauf, weil er alles für uns gibt, auch sein Leben. Diese Hingabe legt Christus in das Abendmahl hinein. Der Evangelist Johannes hat das so gut verstanden, dass er den ganzen Bericht weglässt, wo die anderen Evangelisten erzählen, dass Jesus Brot und Wein nahm und was er dazu sagte. Er bringt dafür das Zeichen der Fusswaschung, eigentlich ein Sklavendienst. Liebe Schülerinnen und Schüler, auch das wird in diesem Gottesdienst nur ein Zeichen sein, wenn ich Euch jetzt dann die Füsse wasche, denn ich gehe nicht davon aus, dass Ihr Eure Füsse nun bewusst ein paar Tage lang nicht mehr mit Wasser in Berührung gebracht habt. Es geht um die Haltung Jesu, die uns begleiten soll, sagt er doch selbst nach der Fusswaschung: «Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.» Wer zur Kommunion vortritt, sagt eigentlich zu Jesus: Amen, auch ich will meinem Nächsten dienen, auch ich möchte mich für eine Welt einsetzen, in der Menschen Freiheit und Leben erfahren können. Die Kommunion ist keine Pflichtübung, die ein bisschen Bewegung im Gottesdienst bringt, sondern die Aufforderung, es wie Christus zu tun: Dient einander so, wie ich euch gedient habe.

Und der Vorschlag meines Facebook-Freundes, der Grillspezialist ist und sich bei einer Trennung mit einem Gutschein beim Metzger auf ein Wiedersehen vorbereitet? Mit diesem Aspekt möchte ich schliessen, denn auch ihn legt Jesus in dieses Mahl. Christus nimmt Brot und Wein und legt alles von sich hinein, so dass er sagt: Das bin ich, das ist mein Fleisch und mein Blut, also alles. Immer, wenn ihr dieses Mahl feiert, bin ich mitten unter Euch. Und solange ihr das tut, solange bin ich unter euch - bis ihr das nicht mehr braucht, bis zum Wiedersehen. Darum werde wir nachher alle miteinander sagen können: Wir verkünden deinen Tod und deine Auferstehung, bis du kommst in Herrlichkeit! Amen.