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Predigt in der Osternacht 2014

19. April 2014, Klosterkirche Einsiedeln, Abt Urban Federer

Liebe Brüder und Schwestern: Ostern steht quer! Ostern steht quer zu allem – anscheinend auch zu Ostern selbst. Da fragte ich letzthin jemanden, ob er auch zu einer Osternachtsfeier gehe. Nein, war die Antwort, er fliege weg, und dummerweise liege Ostern gerade in der Mitte der freien Ostertage: Unmöglich so an Ostern Ostern zu feiern... Ostern steht quer auch zu den Ostertagen. Aber Ostern steht auch zu unseren Vorstellungen von Logik und Konsequenz quer, auch quer zu unserem Gerechtigkeitssinn. Am liebsten hätten wir Menschen nach dieser Woche mit all dem Leid, der Klage und der Trauer ein Happy End, nach dem Zweifel die ultimative Antwort, nach der Niederlage den Sieg – nach schwarz kommt doch weiss, oder? Aber Ostern löst kein einziges unserer Probleme in Luft auf, wegen Ostern verschwinden weder Kriege noch Krankheiten noch sind die Menschen einfach friedlicher. Maria Magdalena und die andere Maria stehen wohl für viele Menschen: Sie suchen ein Grab auf, in dem all ihre Hoffnung begraben liegt. Liegt Gott nicht auch im Grab, wenn wir ihn fragen: Warum lässt Du den Krieg, diese Krankheit zu? Warum hinderst Du uns Menschen nicht an all dem, was wir anstellen? Dieser Gott schmeckt doch nach Sadismus, nach Tod, nicht nach Leben.

«So sollt ihr euch als Menschen begreifen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus», ruft uns Paulus im Römerbrief zu. Die ältesten Osterzeugnisse sagen also nicht: Mit Ostern ist alles Leid vergessen, alle Probleme weg. Nein, wir sind für die Sünde tot – für alles, was uns von Gott trennt, uns beziehungslos zu ihm macht – und in Jesus Christus finden wir dieses wahre Leben, finden wir Gott! Paulus diskutiert unsere Probleme und Leiden nicht weg, sondern stellt sie in ein neues Licht: Der Glaube an Jesus Christus, der in Leiden und Tod nicht untergegangen ist, sondern lebt, sagt uns, dass Ostern keine Vertröstung ist: Es geht um etwas Neues, etwas Unerhörtes! Gott ist keine Idee, Gott ist kein Sündenbock, Gott ist nicht tot, nein: Gott lebt! Die Frauen im Evangelium können ja nicht eine Beziehung mit einem toten Gott pflegen. Und weil sie mit Christus schon vorher in einer Beziehung standen, werden sie an Ostern von Gott auf eine neue Stufe in dieser Beziehung geführt: Ostern stellt ihr Leben in eine neue Perspektive, eben: in ein neues Licht, in das Licht von Ostern! Die Beziehung mit dem lebendigen Gott kann uns neue Wege eröffnen, wo wir selbst keine mehr sehen oder gar nicht mehr suchen. Nur darum kann der Engel zu den Frauen, kann Jesus zu uns sagen: Fürchtet euch nicht! Ostern mein zuerst uns, Sie und mich, unser Herz, unser Denken und Fühlen. Darum liegt Ostern quer, weil es uns zu verwandeln sucht, uns einen neuen Sinn im Leben, ja uns das Leben Gottes gibt und kein billiges Happy End ist!

Auch die Osterkerze, die auch in diesem Jahr P. Jean-Sébastien gestaltet hat, steht quer – wie auch immer wir sie halten. So wie sie jetzt steht, weist sie nach oben, in den Himmel, vom Alpha zum Omega: Gott ist die Quelle (A) und das Ziel unseres Lebens (Ω). Diese vertikale Richtung zieht unsere ganze Existenz zu Gott, zum neuen Leben von Ostern. Doch so können wir das Datum nicht lesen: Die Jahresangabe 2014 steht quer zu unserer Blickrichtung. Wenn wir aber die Kerze quer halten, hat nicht nur unser Sakristan Br. Michael keine Freude, weil dann das ganze Wachs ausläuft, sondern dann führt uns die horizontale Richtung der Kerze nicht über uns selbst hinaus, wir bleiben Gefangene unserer Fragen und Sorgen. So lassen wir die Kerze, wie sie steht und lassen damit die Datumsangabe querstehen: Die Zeit, unser Leben steht im Licht von Ostern, in der Spannung zwischen A und Ω, und in der Mitte steht Christus. Wir dürfen unsere Zeitspanne, unser Leben, von Ziel her, von Ostern her verstehen und leben und Christus mit auf unseren Lebensweg nehmen. Die Osterkerze sagt so in unser Leben hinein: Fürchtet euch nicht! Jesus, der Gekreuzigte, ist auferstanden! Amen.