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Neujahrsansprache 2016 von Abt Urban

1. Januar 2016, Klosterkirche Einsiedeln, Abt Urban Federer (auf der barocken Kanzel der Stiftskirche gesprochen)

Liebe Mitfeiernde

Ich wünsche Ihnen von Herzen ein gesegnetes Jahr 2016!

Wir haben nun viele Worte und Musik zum Thema «Zeit» gehört, wir haben auf die Zeit gewartet – und nun ist Mitternacht um, es ist Zeit, eine neue Zeit: 2016! Ich habe mich darum hierhergestellt, weil hier in dieser Kirche der Ort der Zeit ist. Der Barock liebte die Mechanik, die Uhr, und so schlägt diese Uhr über mir schon seit Jahrhunderten und sagt uns: es ist Zeit! Der barocke Mensch war in seiner Zeit viel bedrängter als wir und so sagt diese Uhr auch schon seit Jahrhunderten: die Zeit läuft, auch Deine! Diese Uhr mahnt uns also, etwas aus der Zeit zu machen, sie nicht nutzlos vorbeistreichen zu lassen!

Nachdenkliche Worte schon in den ersten Minuten des neuen Jahres? Ja und nein: die Zeit müssen wir nicht nur ernst, sondern dürfen sie auch mit Humor angehen! Dafür hilft mir dieser kleine freche Engel auf meiner rechten Seite. Er ist der einzige Engel, der zu mir rauf schaut und seinen Finger hebt. Der Frechdachs schmunzelt mir zu, als wolle er sagen: Spricht nicht zu lange, die Zeit läuft, die Leute wollen noch die Abschluss-Musik geniessen und dann anstossen!

Ja, wir sollen die Zeit auch gut verbringen, geniessen dürfen. Denn wir wissen allzu gut: Das neue Jahr wird auch anderes bringen: Verletzungen, Katastrophen, gar Kriege. Das gehört leider zu unserem Menschsein dazu. Und dieser kleine Engel spricht in genau diese Zeit hinein, spielerisch, mit einem schelmischen Lächeln. Auch das brauchen wir immer wieder: den Weckruf der Uhr, der uns sagt, wir sollen einander die Zeit nicht vermiesen, sondern sie erhellen, mit einem Lächeln. Jede schlagende Uhr soll uns jederzeit zurufen: Schenke jetzt Dir und anderen Zeit, sogar ein bisschen Humor, es könnte sonst zu spät sein!

So möchte ich mich nicht gegen die Botschaft des kleinen Engels neben mir stellen und höre brav auf zu sprechen. Wenn ich Ihnen nun noch den Segen Gottes schenken darf, dann dürfen Sie den danach weitergeben, in einem Lächeln, beim Anstossen! Lassen wir uns von der Zeit nicht nur stressen! Ein Stundenschlag in unserem Dorf, in meinem Quartier soll uns das ganze Jahr über sagen: Es ist Zeit, Deine Zeit, aber auch Zeit für andere – bring in Deine Beziehungen ein wenig Wohlwollen, ja Humor hinein, dafür ist es jetzt Zeit!

Das Kreuz heiligt die Zeit. Im Zeichen des Kreuzes wollen wir darum dieses neue Jahr beginnen, wenn wir miteinander sprechen und dabei ein Zeichen des Kreuzes machen: im Namen des Vaters, und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.