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Ansprache zur Gelübdeerneuerung

3. März 2016, Abt Urban Federer

Liebe Mitbrüder, haben diese Exerzitien Bewegung in Euer Leben gebracht? Liebe Mitchristen, bringt diese Fastenzeit Bewegung in Ihr Leben? Die Menschen zur Zeit des Propheten Jeremia wollten Gott bewegen: mit zusätzlichen Opfern wollten sie ihn zu mehr Hilfe zwingen. Die Menschen zur Zeit Jesu hatten Angst vor der Bewegung Gottes: Die Heilung des Stummen stamme vom Teufel! Gott würde sich hingegen sicher an unsere Gesetze halten, der bewegt sich nicht ausserhalb dessen, was wir kennen!
Warum diese Fixierung auf Gott? Kann der nicht sowieso alles nur falsch machen? Einmal tut er anscheinend nichts, wo wir Menschen es wünschen, oder dann tut er etwas – und der Mensch hat Angst davor, denn Gott bewegt. Ob wir diese Bewegung in unserem Leben überhaupt wollen? Glücklich scheint der Mensch, der in seinem Leben nichts ändern muss!

Nun wollen aber Exerzitien und Fastenzeit nicht alles beim Alten lassen – sonst könnten wir darauf verzichten –, sondern Bewegung in unser Leben bringen, göttliche Bewegung. Das heisst nicht, dass Gott sich bewegen muss: Gott lässt sich durch kein zusätzliches Gebet, Schweigen oder Fasten zwingen! Gott will uns bewegen! Wenn wir nun unsere Gelübde der Beständigkeit, des klösterlichen Lebenswandels und des Gehorsams erneuern, dann müssen wir damit nicht Gott bewegen und ihm gleichsam sagen wollen: Schau, wie gut ich es meine – aber ändern tue ich dann im Fall nichts in meinem Leben!
Mit Jeremia zusammen ruft uns Gott zuerst einmal zu: Zeigt mir nicht euren Rücken, zeigt mir euer Gesicht! Erst wenn wir Gott unser wahres Gesicht zuwenden, kann er uns bewegen. Erst wenn wir ihm unsere wahre Sprachlosigkeit, unsere Unbeweglichkeit und Erstarrtheit hinwenden, kann er uns bewegen. Nur was sich nicht bewegen darf, was mich dort lässt, wo ich bin, ist vom Bösen. Der Finger Gottes hingegen bringt Leben, Bewegung! Und so auch unsere Gelübde. Sie zeigen uns nicht den Weg in die Gewohnheiten zurück, nicht den Weg in die Bewegungslosigkeit, sondern sind Bewegung auf Gott hin! Unsere Gelübde sind für uns der Finger Gottes, der sich in unserem Leben zeigen möchte: "Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, dann ist doch das Reich Gottes schon zu euch gekommen", sagt Christus im Evangelium. Vielleicht braucht mein Leben im Moment mehr Beständigkeit, vielleicht eine Umkehr im klösterlichen Alltag, vielleicht den befreienden Gehorsam, vielleicht dringend alle drei! Christus möchte zweifelsohne in mir etwas zum Sprechen bringen, was nach Leben ruft, was sich nach Freiheit sehnt! Lasse ich mich von Gott bewegen?

Liebe Mitbrüder, lassen wir nun in der Gelübdeerneuerung das Reich Gottes zu uns gelangen, uns von unseren Gelübden, vom Finger Gottes bewegen. Unsere Gelübde sind ein Weg zum Leben Gottes: "Liebe Brüder, was kann beglückender für uns sein als dieses Wort des Herrn, der uns einlädt? Seht, in seiner Güte zeigt uns der Herr den Weg des Lebens" (Benediktsregel, Prolog 19f.).