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Predigt an Palmsonntag

20. März 2016, Klosterkirche Einsiedeln, Pater Mauritius Honegger

Liebe Brüder und Schwestern

Auf seinem letzten Weg ist Jesus ein Einzelkämpfer. Seine Jünger haben ihn verlassen. Alleine geht er den Kreuzweg hinauf nach Golgota.

Auf diesem letzten Abschnitt seines Lebens kommt es aber auch zu verschiedenen Begegnungen: Jesus wird vor die Machthaber Herodes und Pilatus geführt. Doch diese unternehmen nichts um ihm zu helfen, obwohl sie es könnten und als Vertreter der Rechtsordnung auch müssten.

Die Soldaten, der ausführende Arm des staatlichen Gewaltmonopols, missbrauchen ihre überlegene Stellung, sie lachen Jesus aus und benützen seine Hilflosigkeit, um mit ihm ihren Spass zu treiben.

Und die Leute des Volkes schliesslich haben in Jesus einen Sündenbock gefunden, an dem sie ihre Unzufriedenheit, ihre aufgestaute Wut und die unterdrückten Aggressionen auslassen können.

Andererseits begegnet Jesus auf dem Weg zur Kreuzigung aber auch ganz anderen Personen:

  • Frauen, die um ihn weinen;
  • Veronika, die ihm ein Tuch reicht, damit er sich den Schweiss aus den brennenden Augen wischen kann;
  • Simon von Zyrene, der ihm sogar hilft, ein Stück weit das Kreuz zu tragen;
  • und dann auch seiner Mutter Maria, der jetzt ein Schwert durch die Seele dringt, wie es der Greise Simeon bei der Darstellung des Neugeborenen im Tempel prophezeit hatte.
Auch wir sind manchmal Einzelkämpfer in unserem Leben. In manchen schwierigen Situationen sind wir auf uns alleine gestellt. Wir müssen selber schauen, wie wir mit unseren Problemen klar kommen.

Wie wichtig ist es doch, in solchen Momenten erfahren zu dürfen, dass andere Menschen Anteil nehmen an unserer Situation! Wie wertvoll ist es zu spüren, dass Menschen mich nicht im Stich lassen, wenn es mir schlecht geht!

Und andererseits: Wie hart ist es, wenn andere dann, wenn wir selber kaum zurecht kommen mit unserem Leben, auch noch auf uns herumhacken!

Es ist ein Geschenk, wenn wir in schweren Situationen die Anteilnahme und Unterstützung anderer Menschen erfahren dürfen. Es ist nicht einfach selbstverständlich, dass uns geholfen wird. Viele Leute sind heute im Stress und haben wenig Zeit. Sie haben so viel zu tun, dass sie sich nicht auch noch um die Probleme anderer kümmern können.

Als Christen wissen wir, wie es Jesus ergangen ist auf seinem letzten Weg. Darum sind wir besonders aufgerufen, den Menschen zu helfen, denen es nicht gut geht, die unten durch müssen und leiden.

Versuchen wir, auf dem Kreuzweg unserer Mitmenschen eine Begegnung wie Simon von Zyrene oder wie Veronika zu sein. Den Weg muss jeder selber gehen. Aber wir können ein Stück mitgehen und Anteil nehmen. Auch wir werden dankbar sein, wenn wir auf unserem Kreuzweg solchen Menschen begegnen dürfen. Amen.