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Ansprache in der Vesper zur Schliessung der Heiligen Pforte

13. November 2016, Klosterkirche Einsiedeln, Abt Urban Federer

Gepriesen sei der Gott und Vater Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes. Er tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott getröstet werden.

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Klosterkirche, liebe Mitbrüder

Heute schliessen wir die Pforte der Barmherzigkeit, die vor unserer Klosterkirche steht. Und nächsten Sonntag beschliessen wir das Heilige Jahr der Barmherzigkeit. Eigentlich öffne ich lieber, als dass ich schliesse. Ich bin darum froh, dass uns vorhin P. Pascal die Eröffnung einen Briefes vorgelesen hat: den Anfang des 2. Briefes des hl. Paulus an die Korinther. Wie versucht Paulus, die Herzen seiner Hörerinnen und Hörer zu öffnen? Er eröffnet ihnen, wie er selbst Gott in seinen Leiden erfährt: als Vater der Barmherzigkeit und als Gott des Trostes. Ja, er öffnet uns, die wir heute diesen Brief hören, unsere Herzen mit den Worten: Gott «tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott getröstet werden.»

Meine Lieben, die Pforte auf dem Klosterplatz, die wir nachher schliessen, sagte über ein Jahr hinweg zu Tausenden von Menschen: Keine und keiner ist von der Barmherzigkeit Gottes ausgeschlossen! Jetzt brauchen wir diese Pforte nicht mehr, sie hat uns für die Barmherzigkeit Gottes offen gemacht. Derselbe 2. Korintherbrief ruft uns im 3. Kapitel zu: «Unser Empfehlungsschreiben seid ihr; es ist eingeschrieben in unser Herz und alle Menschen können es lesen und verstehen. Unverkennbar seid ihr ein Brief Christi, […] geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf Tafeln aus Stein, sondern – wie auf Tafeln – in Herzen von Fleisch.» Wer feiert, dass die Pforte der Barmherzigkeit geschlossen wird, muss selbst zu einer solchen Pforte werden. Als solche sind wir ein Brief Christi, ein Liebesbrief Gottes für andere. Geht nach Hause, zu Euren Frauen und Männern, zu Euren Kindern und Enkeln, zu Euren Mitbrüdern, zu Euren Nachbarn und zu Menschen, die in Not sind, und zeigt ihnen: Keine und keiner ist von der Barmherzigkeit Gottes ausgeschlossen! Dieser Glaube, diese Zuversicht gibt uns die Kraft, sie zu trösten, vor allem die, die in Not sind.

Ja, verkosten wir ruhig in ein paar Sekunden der Stille diese unsere Berufung: Die Pforte mag geschlossen sein – wir sind Gottes Türöffner: ein Brief, ein Liebesbrief Gottes für andere, wir können einander trösten.