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Neujahrsansprache von Abt Urban

1. Januar 2017, Klosterkirche Einsiedeln, Abt Urban Federer

Liebe Mitfeiernde

Nun ist er da: dieser noch junge Moment, das Neue, die ersten Minuten des neuen Jahres: Ich wünsche Ihnen von Herzen ein gesegnetes Jahr 2017! I wish you a happy new year!

Wir haben das neue Jahr begonnen mit Stille, mit Glockenklang – und mit Feuerwerk im Hintergrund. Stille ist nicht Abwesenheit von Lärm. Geräusche wie das Feuerwerk können uns sogar noch mehr zeigen, was Stille ist: Stille ist Sammlung, Stille ist innere Ruhe und oft auch innerer Friede. Schliesslich wird der Säugling beim Stillen tatsächlich ruhig und still (das Wort «stillen» ist das Verb zu «Stille»). Und den Säugling sehen wir da oben in der Weihnachtskuppel: Es ist das Kind Jesus Christus, der uns Frieden bringt. Ich wünsche uns allen im neuen Jahr immer wieder Augenblicke inneren Friedens!

Wir haben das alte Jahr verabschiedet mit dem wohl berühmtesten Dichter der italienischen Literatur: mit Dante Alighieri und seiner «Göttlichen Komödie». Gemeinsam mit dem Dichter sind wir durch die Hölle gegangen, durch das Fegefeuer und durch das Paradies. Dabei werden Erinnerungen aus dem Jahre 2016 wach: die Hölle von Aleppo, der Terror auch mitten in Europa. Vielleicht hat uns die eine oder andere schmerzhafte Erfahrung tatsächlich gereinigt wie ein Feuer. Andere Erfahrungen wie die Trennung von einem geliebten Menschen, der Verlust der Arbeit oder der Gesundheit schmerzen weiter. Und da war das Paradies: Dantes Beatrice, die Liebe, die wir so oft ersehen, aber nie ganz erreichen. Das alles wird uns auch im 2017 begleiten: Verlust, Schmerz, Liebe und Sehnsucht nach Frieden. Was also ist denn neu in diesem neuen Jahr?

Neu kann nur etwas werden, wenn es aus der Stille kommt, so wie wir hier zusammen das neue Jahr begonnen haben. Aufgeregtheit, Angst, Wut – das sind normale Reaktionen auf all das, was wir täglich hören oder selbst erfahren. Doch bringt etwa die Angst nicht das Neue. Die Angst kann uns aber führen – zu mehr Stille, Ruhe und Friede. Wer die Sehnsucht nach dem Paradies nicht verlieren will, braucht Mut zur Stille, zum Säugling-Sein bei der Mutter, wie es Psalm 131 vor Gott ausdrückt: «Ich liess meine Seele ruhig werden und still; wie ein kleines Kind bei der Mutter ist meine Seele still in mir.»

Ja, das neue Jahr 2017 kann uns Augenblicke inneren Friedens schenken, wenn wir Mut zur Stille finden – und das auch bei äusserem Lärm wie hier in dieser Kirche. Das Kreuz ist beides: Zeichen der Gewalt und des Schmerzes als auch Zeichen von Hoffnung und Friede. Darum möchte ich mit Ihnen zusammen nun das neue Jahr in aller Einfachheit und Stille auch mit dem Zeichen des Kreuzes beginnen, wenn wir miteinander sprechen und dabei ein Zeichen des Kreuzes machen: im Namen des Vaters, und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.