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Predigt in der Osternacht

31. März 2018, Klosterkirche Einsiedeln, Abt Urban Federer

Wie sollen wir erklären und erzählen, was in der Osternacht genau geschehen ist? Am besten geht das in der Sprache der Lichtfeier vom Beginn dieser Auferstehungsfeier: Die Dunkelheit wird erhellt von einem kleinen Licht, das sich langsam und warm im Kirchenraum ausbreitet. Ostern ist kein Überfall von oben, sondern ein Angebot von innen: Gott selbst verwandelt unsere Dunkelheit von innen her, wenn wir bereit sind, uns auf eine Beziehung mit ihm einzulassen.

Von dieser Beziehung sprechen die drei Frauen im Evangelium: «Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um damit zum Grab zu gehen und Jesus zu salben.» Was hier als ein schlichter Satz daherkommt, wurde im Mittealter zu einer Theaterszene ausgebaut: Dass die drei Frauen einkaufen gehen, das können wir doch auch heute noch sofort bildlich vor uns sehen, oder nicht? Die drei Frauen gehen shoppen! Aber nicht an der Zürcher Bahnhofstrasse mit fixen überhöhten Preisen, sondern an einem orientalischen Markt, wo gehandelt wird. Und prompt muss Maria Magdalena im Stück einem geschäftstüchtigen Händler einen horrenden Preis für das Öl zahlen, da sie unbedingt weiter muss – sie könnte ja die Auferstehung verpassen.

So naiv uns mittelalterliches Theater vorkommen mag – dahinter steht die Freude am Erzählen und Spielen! Nur über das Erzählen gelangt die frohe Botschaft von Ostern zu den Herzen der Menschen. Würden Gläubige nicht seit mehr als 2000 Jahren erzählen, was sie mit dem auferstandenen Christus erfahren haben, wir wären heute nicht hier. Wir teilen dieselbe Freude, dieselbe Hoffnung, weil Menschen davon erzählen. Dort, wo wir schweigen, kann keine Botschaft weitergehen. Darum wird am Ende des Evangeliums zu den Frauen gesagt: «Nun aber geht und sagt [es] seinen Jüngern!»

Wenn ich heute Floris-Jan taufen und firmen kann, so nehme ich einen Spieler einer freudigen Theatergruppe in die Kirche auf, und die Theatergruppe unserer Schule ist neben seiner Familie ebenfalls hier. Vom Lied «Bim Coiffeur» kennt Ihr, liebe Spielerinnen und Spieler, aus Eurem Stück über Mani Matter ja bereits das «metaphysische Gruseln». Eine solche Ergriffenheit wünsche ich uns allen heute Abend in einer positiven Art und Weise von der Ostergeschichte. Eigentlich müsstet Ihr die Geschichte jetzt spielen. Im Mittelalter hätten sie Floris-Jan sicher auch auf dem Kopf tanzen lassen, wie er es beim «Sidi Abdel Assar» gemacht hat. Doch heute brauche ich seinen Kopf für etwas anderes: für das Wasser der Taufe. Und über diese sagte der hl. Paulus in der Lesung an die Gemeinde in Rom: «Wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, sind auf seinen Tod getauft worden.» Dass wir durch die Taufe in Jesus Christus einen neuen Sinn, eine neue Hoffnung, eine neue Perspektive erhalten, sagt der hl. Paulus im Galaterbrief noch theatralischer: «Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angelegt» (3,27). Die Taufe gibt Dir, Floris-Jan, ein neues Kostüm, eine Rolle, die Dich weiterbringen, verwandeln kann, wenn Du die Beziehung mit Christus wagst. Dass diese Beziehung möglich ist, erzählen Dir nicht nur die drei Frauen aus dem Evangelium. Herr Otti Schertenleib, der mit Dir zusammen heute im Sakrament der Firmung das Geschenk des Hl. Geistes erhält, lebt diese Beziehung mit Christus. Und ich bin sicher, er würde, falls er jetzt etwas sagen könnte, bestätigen, was ich zu Beginn der Predigt sagte: Ostern ist kein Überfall von oben, sondern ein Angebot von innen. Amen.