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Predigt an Palmsonntag 2012

1. April 2012, Klosterkirche, Pater Urban Federer OSB

Mit dem heutigen Palmsonntag und der Karwoche wird der wohl berühmteste Mobbing-Fall der Geschichte vor unseren geistigen Augen ausgebreitet, der seinen Höhepunkt am nächsten Freitag findet. Da wird einer zum Tod verurteilt. Was hat er getan? Blinde und Lahme geheilt, Menschen die Vergebung zugesprochen, von der Liebe gepredigt. Die Missverständnisse beginnen nicht erst mit den Jubelrufen des Palmsonntags, mit den falschen Erwartungen beim Einzug in Jerusalem, die Jesus nicht erfüllen konnte. Die Missverständnisse gehen dann weiter mit falschen Zeugen, mit Neid und Angst, dazu kommen Verrat, Enttäuschungen und Wut, die gar kein Ziel hat. So nimmt die Geschichte ihren Lauf. Eigentlich stirbt nur ein weiterer Mensch auf dieser Welt einen unverständlichen Tod – das passiert noch heute, jeden Tag.

Den heutigen Lesungen geht es aber um mehr als um einen weiteren Mobbing-Fall: In der Lesung aus dem Philipperbrief hörten wir einen altchristlichen Hymnus. Er erzählt: Christus war nun aber Gott! Er wurde aber an Weihnachten Mensch und nahm dadurch alles in Kauf, was Menschen ausmacht, auch die Sterblichkeit, um bei uns zu sein. Schlimmer noch: Der Sohn Gottes liess sich sogar am Kreuz hinrichten, um seine Botschaft nicht zu verraten. Darum wurde Jesus von Nazareth zum Christus, zum Herrn der ganzen Welt, um alle Menschen zum Vater zu führen.

Jetzt haben wir vielleicht die Lesung etwas besser verstanden, aber was hat diese Karwoche mit uns zu tun? Entscheidend finde ich die Einleitung zu dieser Lesung, die uns gar nicht verkündigt wurde. Das heisst es nämlich: Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen. Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht. Wer an Christus glaubt, soll also in der Gesinnung Christi leben – und darauf folgt die Lesung.

Meine Lieben, wir sollen versuchen, unser Leben in der Gesinnung Jesu Christi zu gestalten. Im Zentrum des christlichen Glaubens steht nicht eine Sittenlehre, sondern die Beziehung zu Jesus Christus, seine Gesinnung können wir aus der Beziehung zu ihm heraus kennenlernen. In der Spannung zwischen Karfreitag und Ostern erfahren wir, dass auch in ausweglosen Situationen immer noch Hoffnung besteht, weil es letztlich Gott ist, der vollenden kann, was wir beginnen – oder eben sogar das zum Guten führen kann, was wir vernichten. Mit dieser Hoffnung, dass Gott das letzte Wort hat – und das ist Ostern – treten wir nun in die Karwoche ein, um unsere Beziehung mit Jesus Christus zu stärken, zu erneuern, um aus seiner Gesinnung heraus zu leben und neue Hoffnung zu schöpfen. Amen.