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Geschichte

In der über tausendjährigen Klostergeschichte spiegelt sich die Geschichte von Kirche und Gesellschaft. Sie zeigt, dass ein Kloster keine Insel darstellt, sondern auf vielfältige Weise mit seiner Umwelt verbunden ist. Blüte und Niedergang, Idealismus und Dekadenz, Heiligkeit und Sünde, Licht und Schatten wechseln sich ab im Gang durch die Jahrhunderte. Und doch: Was im 9. Jahrhundert durch den heiligen Meinrad seinen Anfang nahm, hat auf vielfältige Weise Frucht getragen und ist für unzählige Menschen zum Segen geworden. Die Klostergemeinschaft kann so im 21. Jahrhundert auf ein gutes Fundament bauen und fühlt sich privilegiert, die Geschichte von Kloster und Wallfahrtsort weiterzuschreiben.

Der heilige Anfang

Initiale aus einem Messbuch aus dem 12. Jahrhundert: der Tod des hl. Meinrad

Um das Jahr 835 errichtet der heilige Meinrad, Mönch des Inselklosters Reichenau im Bodensee, an der Stelle der heutigen Gnadenkapelle seine Einsiedelei. Nach seinem gewaltsamen Tod durch die Hand zweier Räuber am 21. Januar 861 lassen sich andere Einsiedler am Ort seines Martyriums nieder. Wie der heilige Meinrad halten auch sie die Erinnerung an jene Männer und Frauen wach, die sich seit dem Beginn des 4. Jahrhunderts in die Wüsten Palästinas und Ägyptens zurückgezogen haben, um in der Einsamkeit Gott zu suchen. Der abgeschiedene "Finstere Wald" im Hochtal zwischen dem Zürichsee und dem Vierwaldstättersee dient dabei als Schweizer Äquivalent zur nahöstlichen Wüste.

Auch Domprobst Eberhard (+958) von Strassburg wird vom Lebensbeispiel des hl. Meinrad angezogen, doch schwebt ihm das Ideal des benediktinischen Klosters vor Augen, in welchem das Gemeinschaftsleben und das gemeinsame Gotteslob zentral sind. So versammelt er die Einsiedler im Jahr 934 zu einer Gemeinschaft. Als Lebensregel gibt er ihr die Regel des heiligen Benedikt (+547) und wird ihr erster Abt. Unter seiner Führung und jener seiner beiden Nachfolger, den Äbten Thietland (+966) und Gregor (+996), entwickelt sich die junge Gemeinschaft zu einem vorbildlichen Benediktinerkloster. Zahlreiche Mönche werden zu Äbten anderer Klöster oder zu Bischöfen benachbarter Diözesen ernannt. Auch mehrere Einsiedler Klostergründungen gehen auf diese Anfangszeit zurück: Petershausen bei Konstanz (983), Muri (1037) und Schaffhausen (1050). Die ersten drei Äbte von Einsiedeln werden heute im Kloster als Selige verehrt.

Im Jahr 1130 schenkt Freiherr Lüthold von Regensberg dem Einsiedler Konvent seinen Besitz an der Limmat mit der Auflage, dort ein Frauenkloster zu errichten. Seither bilden die Konvente von Fahr und Einsiedeln ein Doppelkloster unter der Leitung des Abtes von Einsiedeln.

Licht und Schatten im Wandel der Zeiten

Urkunde aus dem Jahr 947 - Kaiser Otto bestätigt die Reichsunmittelbarkeit und freie Abtswahl

Seit seiner Gründung erfreut sich das Kloster Einsiedeln des Wohlwollens und der Unterstützung lokaler Adeliger und der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Mit den grosszügigen Schenkungen sind auch Herrschaftsrechte verbunden, sodass der jeweilige Klostervorsteher in den folgenden Jahrhunderten als Fürstabt über sein Gebiet regiert. Diese Verbindung von geistlichem Auftrag und weltlicher Macht ist jedoch nicht besonders förderlich für das weitere Gedeihen des Klosters. Denn seit dem 13. Jahrhundert werden nur noch Söhne des Adels ins Kloster aufgenommen, was in den folgenden Jahrhunderten zur kontinuierlichen Dezimierung des Einsiedler Konventes führt. Auch politische Wirren fügen dem Gotteshaus grossen Schaden zu. Besonders zu erwähnen ist der sogenannte Marchenstreit mit den Landleuten von Schwyz, welcher in einem Überfall auf das Kloster und der Entführung der Mönche nach Schwyz in der Dreikönigsnacht des Jahres 1314 gipfelt.

Darstellung der Engelweihe aus dem Guttäterbuch von 1588

Es scheint erstaunlich, dass gleichzeitig zum inneren Niedergang des Klosters die Wallfahrt nach Einsiedeln zu grosser Blüte gelangt. Die Bedeutung Einsiedelns als Wallfahrtsort knüpft über viele Jahrhunderte an die Legende der sogenannten Engelweihe an. Gemäss dieser Legende weihte Jesus Christus selbst in Gesellschaft vieler Engel und Heiligen in der Nacht auf den 14. September 948 die alte Einsiedler-Kapelle zu Ehren seiner Mutter Maria. Die Menschen pilgerten also ursprünglich zu der durch Gottes Gegenwart geheiligten Kapelle. Mit der Zeit verlagerte sich der Schwerpunkt der Wallfahrt von Christus zu dessen Mutter Maria, und Einsiedeln wurde im Laufe des Hochmittelalters zu einem Marienwallfahrtsort, zu welchem Pilger aus ganz Europa kamen. Im Jahr 1466 wird das bis heute hochverehrte gotische Gnadenbild, die berühmte Schwarze Madonna von Einsiedeln, in der Kapelle gezeigt.

Holzschnitt vor 1509 - die älteste Ansicht des Klosters

Am Vorabend der Reformation gehören zum Kloster Einsiedeln nur noch zwei Mönche: Diebold von Geroldseck und Abt Konrad von Hohenrechberg. Als dann Diebold von Geroldseck zum reformierten Glauben übertritt und später an der Seite von Huldrych Zwingli bei der Schlacht zu Kappel (1531) fällt, ist das Kloster dem Untergang nahe. Doch es kommt Hilfe von unerwarteter Seite: der alte Erzfeind, die Leute von Schwyz, nehmen sich des Klosters an. Sie drängen den betagten Abt Konrad von Hohenrechberg zur Resignation und setzen am 14. August 1526 den Dekan des Klosters St. Gallen, Ludwig Blarer (+1544), als Abt ein.

Ein zweiter Frühling

Und das Wunder geschieht: Dem neuen Abt gelingt der Neubeginn, indem er Bürgerliche ins Kloster aufnimmt. Dieser Neuanfang braucht jedoch seine Zeit. Abt Ludwig und seine Nachfolger kämpfen hart um das Fortbestehen des Klosters. Besonders Abt Joachim Eichhorn (+1569) macht sich um den materiellen und geistigen Wiederaufbau verdient und kann als zweiter Gründer des Klosters gesehen werden. Als einziger Konzilsvater aus dem deutschsprachigen Raum nimmt er am Konzil von Trient (1545-1563) teil.

Wie in der Anfangszeit des Klosters stehen der Gemeinschaft im Verlaufe des 16., 17. und 18. Jahrhunderts mehrere gute Äbte vor. Besondere Erwähnung verdient Abt Augustin II. Reding von Biberegg (1625-1692), ein hochgebildeter Theologe. Die Zahl der Mönche steigt stetig und so können zahlreiche neue Aufgaben übernommen werden. Schliesslich wird das alte Kloster aus dem Mittelalter trotz regelmässigen Erweiterungen (1602 Bibliothek, 1659 Konventbau, 1674-1681 Chor der Klosterkirche) zu klein für die Gemeinschaft und man entschliesst sich zu einem kompletten Neubau. Br. Kaspar Moosbrugger (1656-1723), der 1681 ins Kloster eingetreten ist, wird mit der Planung des neuen Klosters beauftragt. Am 31. März 1704 kann die Grundsteinlegung erfolgen. Zehn Jahre später, nach Vollendung der Klostergebäude, wagt sich Br. Kaspar an die Planung der neuen Klosterkirche. Der Grundstein zum neuen Gotteshaus wird am 20. Juli 1721 gelegt. Die Gebrüder Cosmas Damian und Ägid Quirin Asam werden zusammen mit anderen bedeutenden Künstlern mit der Innenausstattung der Klosterkirche beauftragt. Gemeinsam bilden Kirche und Kloster ein einmaliges Beispiel barocker Baukunst und zeugen noch heute vom damaligen Geist der Erneuerung.

Br. Kaspar Moosbrugger entwirft die Klosteranlage als ein barockes Gesamtkunstwerk ganz im Sinne der Benediktsregel.

Dunkle Wolken über dem Kloster Einsiedeln

Doch im Jahr 1798 ziehen erneut dunkle Wolken über dem Kloster auf. Das Ancien Régime der Schweizerischen Eidgenossenschaft wird von Französischen Truppen zerschlagen. Am 3. Mai 1798 marschieren die Soldaten in Einsiedeln ein und plündern das Kloster mehrere Tage lang, nachdem die Mönche ihr Zuhause wenige Tage zuvor fluchtartig verlassen mussten. Ein Grossteil flieht mit Fürstabt Beat Küttel (1733-1808) in die dem Kloster gehörende Propstei St. Gerold im Grossen Walsertal (Vorarlberg). Die Schwarze Madonna wird auf abenteuerlichen Wegen über Italien nach Österreich gebracht. Erneut scheint die Zukunft des Klosters ungewiss.

Doch die politische Grosswetterlage ändert sich wieder. Im Jahr 1801 kehren die ersten Mönche ins Kloster zurück, am 11. Januar 1802 folgt ihnen auch Abt Beat Küttel. Die Zeiten der Fürstabtei Einsiedeln sind zwar vorbei, doch ist der Fortbestand des Klosters gesichert. Einmal mehr gibt es mühevolle Aufbauarbeit zu leisten. Das ganze Mobiliar und alle verwertbaren Materialien wurden aus dem Kloster wegtransportiert und in alle Windrichtungen zerstreut. Auch die Gnadenkapelle haben die Revolutionstruppen niedergerissen. Diese wird zwischen 1815 und 1817 im klassizistischen Stil und – soweit wie möglich – mit der alten Bausubstanz neu errichtet.

Einsiedeln als Zentrum der katholischen Schweiz

In den folgenden Jahrzehnten entwickelt sich das Kloster sehr gut, denn tüchtige Männer treten in die Gemeinschaft ein. Es wird viel Energie in den Aufbau eines Gymnasiums investiert. Mönche sind vermehrt in der Pfarrseelsorge engagiert oder wirken als Spirituale in Frauenklöstern oder anderen kirchlichen Institutionen. Die grosse Zahl der Konventualen macht die Gründung eines Tochterklosters in den Vereinigten Staaten möglich. Im Bundesstaat Indiana sollen die Mönche den deutschsprachigen Einwanderern als Seelsorger dienen. Die Neugründung, die im Jahr 1870 zur eigenständigen Abtei erhoben werden kann, erhält den Namen Saint Meinrad.
Seit Ende des 19. Jahrhunderts erlebt die Wallfahrt durch die Eisenbahn eine noch nie gekannte Hochblüte und Einsiedeln wird zum religiösen Zentrum der katholischen Schweiz.
In den Zwanzigerjahren eröffnet das Kloster in Pfäffikon SZ eine Landwirtschaftsschule (bis 1991) und übernimmt auf Wunsch des Bischofs von Lugano die Führung des Gymnasiums am Collegio Papio in Ascona (bis 1964).
Im Jahr 1934 wird das tausendjährige Bestehen des Klosters gefeiert. Der Höhepunkt ist die feierliche Krönung des Gnadenbildes durch den päpstlichen Kardinallegaten Ildefons Schuster, den Erzbischof von Mailand. 1947 bestätigt Papst Pius XII. dem Kloster Einsiedeln öffentlich die Rechte einer Gebietsabtei. Seither ist der jeweilige Abt Mitglied der Schweizerischen Bischofskonferenz.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zählt die Klostergemeinschaft den Höchstbestand von knapp über 200 Mönchen. Wiederum wird eine Neugründung ins Auge gefasst, diesmal in Argentinien. 1948 wird eine Gruppe von zwölf Mönchen ausgesandt, um in Los Toldos, etwa 500 km westlich von Buenos Aires, ein neues Kloster zu gründen.
Am Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) nehmen zwei Einsiedler Mönche als Konzilsväter teil: Abt Raymund Tschudi (1914-2011) und Abtprimas Benno Gut (1897-1970). In den Jahren nach dem Konzil bemüht man sich, das Klosterleben den Bestimmungen des Konzils anzupassen. In diesen Jahren erlebt das Leben im Kloster grosse Veränderungen: In der Messe und im Chorgebet wird die deutsche Sprache eingeführt, doch man bemüht sich gleichzeitig, dem Latein weiterhin eine wichtige Rolle in der klösterlichen Liturgie beizumessen. Im Kloster versucht man so, einen Mittelweg zu gehen, und vermeidet Extrempositionen in beide Richtungen. Dem Ringen um diesen Mittelweg verdanken wir die heutige Liturgie, wegen der viele Gläubige nach Einsiedeln kommen. Die entscheidendste im Kontext des Konzils vorgenommene Änderung im Klosteralltag ist sicher die Gleichberechtigung von Laienbrüdern und Priestermönchen. Das Kloster besteht nun nicht mehr aus zwei getrennten Gruppen von Brüdern und Patres, sondern aus einer Gemeinschaft bestehend aus Brüdern und Patres.

Im Jahr 1984 ehrt Papst Johanes Paul II. das Kloster mit seinem Besuch. Sein mehrtägiger Aufenthalt im Heiligtum Unserer Lieben Frau von Einsiedeln ist Teil seiner Pastoralreise in die Schweiz, welche vom 12. bis 17. Juni 1984 dauert. Höhepunkt seiner Zeit im Finstern Wald ist die feierliche Weihe des neuen Hochaltares im Chor der Klosterkirche am 15. Juni 1984.

Papst Johannes Paul II. weiht den neuen Altar der Klosterkirche am 15. Juni 1984.

Seit den 60er Jahren treten weniger junge Männer ins Kloster ein, sodass die Gemeinschaft kleiner wird. Immer mehr Mönche werden von Aussenposten abgezogen und das Wirken der Gemeinschaft konzentriert sich zusehends auf das Kloster und seelsorgerlichen Aufgaben in dessen unmittelbarer Nähe. Auch die Wallfahrt erlebt einen grossen Wandel: Die traditionellen Pilgerzüge (Standeswallfahrten der katholischen Kantone, Wallfahrten aus dem süddeutschen Raum und aus Frankreich) verlieren an Bedeutung, doch kommen vermehrt Einzelpilger und Tagestouristen nach Einsiedeln. Zudem gewinnen die Wallfahrten von in der Schweiz lebenden Gastarbeitern und deren Nachkommen an Bedeutung (Spanier, Portugiesen, Kroaten, Tamilen). Deren Wallfahrten überflügeln die traditionellen Standeswallfahrten zahlenmässig.

Die jährliche Wallfahrt der Portugiesen am Pfingstsonntag zieht jeweils um die 10‘000 Personen an.

Gegenwart und Zukunft

Heute zählt die Einsiedler Klostergemeinschaft rund sechzig Mönche. Diese sind tätig in Schule, Wallfahrts- und Pfarreiseelsorge und verrichten zahlreiche Arbeiten innerhalb des Klosters. Die Mönche versuchen, das Evangelium Jesu Christi und die Regel des heiligen Benedikt in der heutigen Zeit zu leben und so einen Ort zu gestalten, der Menschen dazu einlädt, hier Gott zu begegnen.
Die Gemeinschaft weiss sich berufen, Gott und den Menschen an diesem Ort zu dienen und die selige Jungfrau Maria zu ehren. Diese Berufung gilt es in Treue und Hingabe zu leben. Wir vertrauen darauf, dass auch in Zukunft junge Menschen den Weg in unsere Gemeinschaft finden und hier das Glück und die Erfüllung finden im Dienst vor Gott und an den Menschen.