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Predigt in der Heiligen Nacht 2012

24. Dezember 2012, Klosterkirche Einsiedeln, Abt Martin Werlen

In der Kirche ist nur die Weihnachtskuppel beleuchtet. Mit jeder Nennung eines Objekts oder Raumes werden diese beleuchtet, bis am Schluss der Predigt die ganze Kirche im neuen Licht erstrahlt.

"Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein helles Licht"

Liebe Schwestern und Brüder, mit diesen Worten begann die Lesung aus dem Buch Jesaja. "Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein helles Licht." Das ist die Erfahrung von Weihnachten. So haben wir vorhin gebetet: "Herr, unser Gott, in dieser hochheiligen Nacht ist uns das wahre Licht aufgestrahlt." Jesus Christus selbst erklärt seine Menschwerdung mit diesem Bild von Licht und Feuer: "Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!" (Lk 12,49).

Es ist nicht ein Feuer, das zerstört, sondern ein Feuer, das reinigt, das Wärme schenkt, das Hoffnung gibt, das Heimat erfahren lässt, das Leben lässt, ja: Leben schenkt, Leben in Fülle. "Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu erretten" – uns alle!

Vieles ist seither passiert, seit dieses wahre Licht in Bethlehem aufgestrahlt ist. Beim Rosenkranzaltar - hinten von mir aus gesehen rechts – ist das Leben Jesu in zentralen Stationen dargestellt.

Hier vorne links wird uns beim Ölbergaltar das Leiden Jesu vor Augen gestellt, und rechts beim Kreuzaltar Jesu Tod am Kreuz.

In den Deckengemälden im Unteren Chor wird klar: Sünde und Tod sind nicht das Ende. Gott erlöst den Menschen. Mit seiner Auferstehung will Jesus Christus auch uns alle in die ewige Gemeinschaft mit Gott aufnehmen.

Verschiedene Heilige sind in dieser Kirche dargestellt. In den Heiligen brennt das Feuer, das Jesus Christus auf die Erde geworfen hat. Da ist in erster Linie Maria. Sie hat das Ziel des Lebens erreicht: für immer und ewig bei Gott sein. Das Hochaltarbild erinnert uns immer wieder daran.

Hinten links erinnert der Annaaltar an die Mutter Marias, rechts der Josefsaltar an ihren Bräutigam. Vergessen wir nicht: Mit diesen Menschen sind wir in Palästina.

Hier vorne rechts ist der Mauritiusaltar. Mauritius, ein Soldat aus Ägypten, der im Wallis zum Heiligen geworden ist, weil er Gott mehr gehorchte als den Menschen. Er ist – neben Maria - der zweite Patron unserer Klosterkirche. An seinem Ort des Martyriums kann übernächstes Jahr die Klostergemeinschaft von St-Maurice die 1500-Jahr-Feier begehen.

Und hier links der heilige Sigismund. Dieser König hat seinen Sohn ermordet. Nicht deswegen wird er als Heiliger verehrt, sondern darum, weil er Reue hatte und von Gott das Geschenk der Vergebung annahm. Das soll auch uns allen Mut machen, wo immer wir sind und was immer uns belastet, neu den Weg mit Gott zu gehen.

In der Mitte links begegnen wir dem heiligen Benedikt. Er lebte in einer schwierigen Zeit, die in vielen Dingen unserer Zeit ähnlich ist. Mit seiner Mönchsregel hat Benedikt das Feuer des Glaubens weitergeschenkt.

In der Gegend, in der sich Einsiedeln befindet, war im 9. Jahrhundert noch grosse Dunkelheit. Man sprach vom Finsteren Wald. In diese Finsternis ist der heilige Meinrad als Einsiedler gekommen, dargestellt auf dem Altar in der Mitte rechts. Johann Wolfgang von Goethe sieht im heiligen Meinrad zu Recht einen Brandstifter: "Es musste ernste Betrachtung erregen, dass ein einzelner Funke von Sittlichkeit und Gottesfurcht hier ein immer brennendes leuchtendes Flämmchen angezündet, zu welchem gläubige Scharen mit grosser Beschwerlichkeit heranpilgern sollten, um an dieser heiligen Flamme auch ihr Kerzlein anzuzünden. Wie dem auch sei, so deutet es auf ein grenzenloses Bedürfnis der Menschheit nach gleichem Licht, gleicher Wärme, wie es jener erste im tiefsten Gefühl und sicherster Überzeugung gehegt und genossen."

Am Ort der Einsiedelei des heiligen Meinrad wurde 934 das Kloster Einsiedeln gegründet. Maria ist die Patronin, dargestellt am Patroziniumsaltar hinten links. Das Altarbild zeigt einen Kranken, der Zuflucht zu Maria nimmt. Ein Hinweis auf die Wallfahrt.

Die Menschen haben schon sehr früh diesen Ort als Gnadenort wahrgenommen, als Ort, an dem wir in besonderer Weise Gott begegnen dürfen. Christus selbst hat diesen Ort geweiht! Dargestellt im Deckenfresko über der Gnadenkapelle. "Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!" Das erfahren Menschen an diesem Ort seit über 1000 Jahren.

Und heute, in dieser Heiligen Nacht, dürfen wir hier miteinander Gottesdienst feiern. Im heutigen Evangeliumsabschnitt hiess es über die auf dem Feld lagernden Hirten: "Der Glanz des Herrn umstrahlte sie." Das gilt auch für uns. Der Glanz des Herrn umstrahlt uns. Das dürfen wir dank der neuen Beleuchtung heute auch visuell entdecken.

Jesus will in uns allen dieses Feuer anzünden, das er mit seiner Menschwerdung auf die Erde geworfen hat und von dem er wünscht, es würde schon brennen.

Das ist mein Wunsch für uns alle: Dass wir heute dieses Gotteshaus verlassen und zueinander sagen: "Brannte uns nicht das Herz in der Brust?" Dass wir das Feuer in unseren Herzen dankbar wahrnehmen und weiterschenken. Und dass wir immer wieder die Asche wegwischen, damit die Glut des Glaubens in unseren Herzen nie erlischt.

Liebe Schwestern und Brüder
Wir feiern nicht Weihnachten, weil 25. Dezember ist. Wir feiern Weihnachten, weil Gott Mensch geworden ist. "Christin, Christ, erkenne deine Würde!" (Leo der Grosse).

Auch in Zukunft soll den Menschen an diesem Gnadenort ein Licht aufgehen. So wie jetzt an der Abendmahlkuppel. Sie ist der Kuppelraum neben der Weihnachtskuppel. Die Abendmahlkuppel erinnert uns an die Abschiedsrede Jesu im Abendmahlsaal. An das, was Jesus uns Getauften ans Herz legt. Das feiern wir am Gründonnerstag.

Darum wollen wir uns im "Jahr des Glaubens" bis Oktober 2013 jeden Donnerstag Abend um 20 Uhr hier in der Klosterkirche zum "Donnerstagsgebet" treffen. Miteinander wollen wir die Glut unter der Asche entdecken und beitragen, dass die Kirche lebendig wird und bleibt. Das erste "Donnerstagsgebet" findet am 27. Dezember statt. Dazu lade ich alle Getauften und am christlichen Glauben Interessierten herzlich ein.

Am kleinen Licht aus Bethlehem entzünde ich jetzt ein Feuer. Symbol für das Feuer, das die Geburt Jesu Christi in Bethlehem in uns allen entfachen will. "Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!" Dieses Feuer soll uns auch jeweils beim "Donnerstagsgebet" begleiten.

Hier soll Wirklichkeit werden, was unsere Klostergemeinschaft immer wieder mit den Worten unserer Mitschwester Silja Walter singt:

Erwartet den Herrn,
steht als Knechte bereit an der Tür.
Schon jauchzt jeder Stern,
seht, er kommt, seht, er kommt, wir sind hier.
Komm, Herr Jesus, Marantha.

Entzündet die Lampen, ihr Mägde,
erglühet im Geist
im Kommen des Ewig-Geliebten,
der Kyrios heisst.
Komm, Herr Jesus, Marantha.

Du wirfst dein Feuer zur Erde
und willst, dass es brennt,
und wir sind der Mund,
der anbetend dein Kommen bekennt.
Komm, Herr Jesus, Maranatha. Amen.