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Emil Steinberger hinter den Klostertheaterkulissen

Der «Papst» der Schweizer Komiker

Am 12. Januar 2013 trat der Komiker Emil Steinberger in einer von der Vereinigung «Freunde des Klosters Einsiedeln» organisierten Benefizgala zugunsten des Klosters Einsiedeln im Stiftstheater auf. Vor vollen Rängen sorgte der ehemalige Ministrant für viele Lacher. Vor der Aufführung hatte der «Salve»-Journalist Bruder Gerold Zenoni Gelegenheit zu einem ausführlichen Gespräch hinter den Klostertheaterkulissen mit dem helvetischen Oberclown.

Abt Martin Werlen (links) ist Fan von Emils Nummer mit dem "Kirchlein von Wassen". Hier überreicht er nach seiner Dankesadresse Niccel Steinberger und Emil Präsente aus dem Klosterladen und Blumen.

Kaum je lagen mir die Fragen für ein Interview derart auf dem Magen wie in Ihrem Fall. Am Dreikönigstag sind Sie achtzig Jahre alt geworden. Alle Medien waren voll von Emil. Was soll man da noch fragen? Die Sängerin Vera Kaa hat mich ermuntert: Emil ist unkompliziert, das wird gut werden. Also dann: Sie waren Ministrant. Hatte der Pfarrer nichts mehr zu lachen wie bei meinem Onkel, der als Ministrant dem Priester zu wenig Wein in den Kelch goss so dass der Prälat am Altar unwirsch murmelte: «Willst du den Wein für die Grossmutter sparen?»

Emil Steinberger: (lacht).Wenn ich auf der Bühne stehe mache ich keine bösartigen Sachen. Ich halte die Leute nicht zum Narren. Auch beim Ministrieren hätte ich mich nie getraut dem Pfarrer zu wenig Wein in den Kelch zu giessen. Ich schaue, dass ich niemanden böse mache oder verärgere.

Hape Kerkeling, Günther Jauch, Thomas Gottschalk, Frank Elstner, Stefan Raab und Alfred Biolek waren Ministranten. Der Altarraum und das Ministrieren scheinen ein Sprungbrett für die Showbühne zu sein. Konnten Sie von dieser ersten «Bühnenerfahrung» später profitieren?

Wo man nicht lachen darf, hat man das Lachen zuvorderst. Im Altarraum sollte man keine Witze oder Grimassen machen. Da war ich ein bisschen frech. Jedenfalls zitterten meine Mitministranten vor Lachen beim Knien ob meiner durch Mimik oder Handzeichen heraufbeschworenen Spässe. Wenn sich der Priester umwandte und das «Orate fratres» betete und wir als Ministranten eine Antwort geben mussten, hatte ich die Fähigkeit sofort umzustellen, ruhig zu sein und ein ernstes Gesicht zu machen, während mein Kollege häufig weiterlachte. Das Verrückteste geschah in einem Hochamt. Wir Ministranten sassen vis-à-vis des Priesters und der Diakone. Dahinter befanden sich die Chorstühle mit den Chorknaben von denen man knapp die Köpfe sah. Die Predigt von Dr. Otto Karrer war langweilig, denn der bekannte Theologe predigte auf einem Level, der für mich noch nicht zu erfassen war. Drei Wochen vorher hatte ich den Hypnotiseur Leonardo im Pfarrheim gesehen. Ich war begeistert und überlegte mir, ob ich auch hypnotisieren könne. Ich nahm mir einen Chorknaben ins Visier, fixierte ihn und sagte mehrmals: «Kratze in deinen Haaren.» Ich strengte mich wahnsinnig an. Da machte doch der tatsächlich so (Emil deutet Kratzbewegungen in seinen Haaren an). Ich war total aus dem Häuschen. Natürlich blieb offen, ob das Zufall war. Jedenfalls kratzte er sich in den Haaren. Ich hatte das Gefühl die Hypnose fertiggebracht zu haben.

Fromm und Fröhlichsein, geht das zusammen?

Aber sicher (Emil wiederholt die Worte bestimmt). Zum Fröhlichsein passt auch ein frommes Gesicht. Fröhlichkeit kann sich zudem im Frommen ausdrücken. In all diesen Pfarreiorganisationen wie Blauring, Jungfrauenverein oder Jungmännerkongregation waren wir fröhlich und auf eine Art fromm, denn wir hielten Andachten in der Kirche. Vor der Kirche schwatzten wir und machten Dummheiten. Das ist eine Einheit, die miteinander vereinbar ist.

Ein Mitbruder hat angeregt, Emil könnte einmal in der Gnadenkapelle ministrieren. Könnten Sie die Handreichungen noch?

Wahrscheinlich schon. Hingegen könnte ich die lateinischen Antworten nicht mehr hersagen.

Inzwischen wird die Messe meistens in deutscher Sprache zelebriert…

Man weiss ja nie ob, die Umstellung schon stattgefunden hat. Es sind Tendenzen zur Wiedereinführung da. Aber selbst auf Deutsch könnte ich die Antworten ohne Büchlein nicht mehr auswendig.

Wir könnten ein Büchlein zur Verfügung stellen…

Ja (lacht).

Könnten Sie sich vorstellen, eine Predigt zu halten? Was für ein Thema würden Sie wählen?

Es gibt in Zürich eine Kirche, wo man Leute aus der Öffentlichkeit zum Predigen einlädt. Die haben mich angefragt. Ich lehnte ab. Ich kann nicht auf die Kanzel gehen und versuchen, den Leuten etwas Gutes auf den Weg mitzugeben. Ich müsste selber perfekt und gut sein. Das bin ich nicht. So möchte ich den Menschen keine Predigt halten. Ein Pfarrer in Kriens predigte einmal über mein Talent und sagte, wer ein derartiges Talent besitze, sei verpflichtet, dieses anzuwenden. Für mich ist das Talent für die Bühne gut, aber für die Kanzel würde ich es nicht anwenden.

Haben Sie Erinnerungen an Besuche in der Einsiedler Stiftskirche?

Ganz sicher war ich schon da. Ich glaube, dass es während der Kunstgewerbeschule war, die ich mit Pater Damian aus dem Kloster Einsiedeln besuchte. Er lud uns ins Stift ein. Deshalb kam mir der lange Gang mit den Zimmern der Mönche bekannt vor. Ich war damals fast neidisch. Wie toll das sein musste, sich auf etwas konzentrieren zu können. Damit ich mich finanziell über Wasser halten konnte, musste ich während meiner Kunstgewerbeschulzeit arbeiten. Alles musste ich unter Zeitdruck erledigen.Als ich die schönen Zimmer sah, dachte ich: eine derartige Klausur zum Arbeiten ist etwas Wunderbares.

Sind Sie in Klöstern oder Kirchen aufgetreten?

Ich machte Exerzitien im Kloster Wertenstein mit. Drei Tage lang spricht man nicht miteinander.

Konnte der Emil so lange schweigen?

Ja, natürlich konnte ich das (lacht). Disziplinsachen waren für mich nie ein Problem. Einmal spielte ich in einer Kirche in Braunschweig. Der Bau war aus finanziellen Gründen einem profanen Nutzungszweck zugeführt worden und freigegeben für kulturelle Anlässe. Gemäss einer Bestimmung durfte das Kruzifix nicht abgedeckt werden. Zudem mussten zwei Kerzen brennen. Ich kam mir komisch vor. Die Leute lachten. Hinter mir hing Christus am Kreuz, der für uns gelitten hat. Und die Kerzen brannten dazu. Eine absurde Situation.

Haben Sie eine Lieblingskirche oder einen Lieblingsstil im Kirchenbau?

Die Kirche von Meggen. Die Wände sind aus weissem Marmor, so dass ein schönes Licht wahrnehmbar wird. Verbunden bin ich mit der Pauluskirche in Luzern, wo ich als Sakristan ausgeholfen habe. In den Ferien ging ich dort ein und aus, holte Blumen oder ministrierte an vielen Hochzeiten. Übehaupt war ich jener, der immer Zeit hatte. Wenn die anderen nicht kamen, ministrierte ich fünf mal am Tag. Man beförderte mich sogar zum Ministrantengeneral. Ich machte die Organisation der Ministranten. Bei der Gelegenheit konnte ich grafisch arbeiten. Ich gestaltete schöne Aushänge für die Minstranten. Manchmal auch mit Witz.

Hat sich diese Beförderung in der Besoldung niedergeschlagen?

Die Besoldung war derart tief, dass man jede Erhöhung kaum gespürt hätte (lacht). Das waren Ministrantensaläre. Immerhin war es schön, wenn ich der Mutter stolz verkünden konnte, dass ich mit fünfzehn Franken den Rekord beim Ministrieren aufgestellt hätte. Für mich war die Pfarrei unglaublich wichtig. Sie war das Sprungbrett für meine heutige Tätigkeit. Es wird viel diskutiert über Religion und die katholische Kirche. Leute geben aus Unzfriedenheit den Austritt aus der Kirche. Das kann ich nicht nachvollziehen. Losgelöst von Religion und kirchlichen Gesetzen hatte die katholische Kirche für mich prägende Bedeutung. Was ich in diesen Kreisen wie etwa der Jungwacht ausprobieren und machen konnte, förderte mich enorm. Zum erstenmal durfte ich mit der Spielschar St. Paul Theater spielen. Der Pfarrer hatte bei mir ein gewisses Talent dafür wahrgenommen. Das war der Anfang meiner kabarettistischen Tätigkeit – im Pfarreisaal von St. Paul.

Kurz zusammengefasst: ohne katholische Kirche kein Emil?

(lacht) Es könnte fast so sein. Mein Sparringpartner und Texter, Armin Beeler, war auch in der Jungwacht und Jungmännerkongregation. Man hatte in der Pfarrei ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das ausserordentlich gut war.

Im «Kulturtipp» sagten Sie, dass Sie das mit dem Katholizismus hinter sich hätten. Ich zitiere: «Mit den Religionen habe ich eher Mühe. Sie richten heute viel Schaden an. Früher, als Kind, durfte ich am Sonntag nicht zur Kommunion gehen, wenn mir beim Zähneputzen am Morgen etwas Zahnpasta runterrutschte. Dann war ich nicht mehr nüchtern genug um die Hostie einzunehmen.» Ist die Abkehr von der Kirche so radikal?

Die eigentliche Abkehr passierte mit 23. Ich hatte eine evangelische Freundin und besuchte mit ihr evangelische Gottesdienste. Dann war Zeit zum Beichten. Ich betrat den Beichtstuhl und gestand, dass ich reformierte Gottesdienste besucht hatte. Der Pfarrer verweigerte mir aus diesem Grund die Absolution. Ich musste ihm versprechen, nicht mehr hinzugehen und geriet in ein Dilemma. Ich sagte dem Pfarrer, dass ich es versuchen würde. Daraufhin erteilte er mir die Absolution. Am anderen Tag ging ich in die Kirche. Der Pfarrer stieg auf die Kanzel und verkündete, dass am nächsten Sonntag als Gast der evangelische Pfarrer in unserer Kiche predigen würde. Das hat mich schockiert. Wenn ich einen evangelischen Gottesdienst mit evangelischer Predigt besuche, erhalte ich keine Absolution. Gleichzeitig lädt der Pfarrer einen evangelischen Kollegen ein, der bei uns predigt. Klar kann man das irgendwie erklären. Für mich war es derart einschneidend, dass ich mir sagte: Emil, du kannst selber entscheiden, was du als richtig und gut empfindest. Von da an war ich selbständig, was die Religion betraf.

Ihr Programm «Drei Engel» passt bestens ins Kloster Einsiedeln, das in der Stiftskirche hunderte von Engeln beherbergt. Warum dieser Titel?

Es gibt einen banalen Grund. Ich erzählte meinem Sohn Geschichten. Er wusste nicht, ob sie wahr sind. Ich sagte: «Hör mal Philipp, wenn ich so mache (Emil streckt drei Finger seiner linken Hand in die Luft) heisst das, drei Engel, und die Geschichte ist wahr. Ich wollte keinen Schwur ablegen und habe das streng eingehalten. Ich weiss, dass Engel für viele Leute eine Bedeutung haben. Man findet am Kiosk eine Zeitschrift mit dem Titel «Engel». Die Menschen haben das Bedürfnis nach jemandem, der sie im Leben begleitet.

Glauben Sie an Schutzengel?

Ich kann nicht daran glauben. Es ist mir zu unsicher. Fakt ist, dass sich viele Geschichten, die über Jahrhunderte weitererzählt wurden, stark veränderten. Ich kenne das aus meinem Leben. Personen erzählen mir, wo sie mich getroffen hätten und was ich gemacht hätte. Und es stimmt nicht. Aus Geschichten entstehen grössere Geschichten. Ich finde es schön, wenn Leute an Schutzengel glauben. Gefährlich wird es, wenn man darauf abstellt, dass der Schutzengel unbedingt helfen müsse. Wenn es mir schlecht geht, könnte ich nie in die Kirche gehen, um zu beten. Ich könnte nur in die Kirche gehen um zu beten und zu danken, wenn es mir gut geht.

Ich war kaum ins Kloster eingetreten, da hat mich mein Mitbruder, Pater Rafael, zu sich aufs Zimmer eingeladen. Wir führten nicht etwa geistliche Gespräche, nein, wir hörten eine Emil-Kassette. Ich fand das toll: ein Kloster mit Humor, da bleibe ich. Sicher erzählen Ihnen die Leute häufig derartige Emil-Geschichten. Können Sie uns zwei, drei besonders interessante ausgraben?

Nach meiner Medienpräsenz rund um meinen 80. Geburtstag habe ich unglaubliche Mails erhalten. Dass ich für viele Menschen eine derart wichtige Person war, ist mir erst jetzt aufgegangen. Ihr Humor war unser Humor in der Familie, schrieb jemand. Gab es Stunk in der Familie, bedienten wir uns bei ihren Sätzen, worauf sich alles in Minne auflöste. Das bereitet Freude. Das liest man gerne, wobei ich mir nichts darauf einbilde. In der DDR konnten Sendungen aus dem Westen nur bis Leipzig empfangen werden. Man fertigte Kopien meiner Programme an und spedierte sie in den Osten. Als ich in der ehemaligen DDR auf Tournee war, gestand man mir, wieviel ihnen mein einfacher Humor in der schwierigen Zeit der kommunistischen Herrschaft bedeutet habe. Das ist unglaublich. Es ist verrückt. Aber ich kann nichts dafür. Es war einfach meine Art. Ich bin so (Emil gerät in den typischen Emil-Bühnenslang). Ich darf mir nichts darauf einbilden. Ich habe das nicht studiert. Ich habe es nicht gelernt. Weder Atemtechnik noch Bauchtechnik noch irgendetwas. Es ist mir immer so schön aus den Händen geflossen. Dafür bin ich dankbar.

Im Buch «Lesehimmel» erzählen Sie, wie Sie die Streiche von Pfarrhelfer Josef Konrad Scheubers Trotzli zu Spässen angeregt haben. Woher nehmen Sie heute die Inspiration für Gags?

Kürzlich habe ich drei Trotzli-Bücher in der Hand gehabt. Ich stöberte darin und schaute, ob sich eine Lesung oder ein Hörbuch realisieren liessen. Doch das ist schwierig, da der geschilderte Schulbetrieb weit zurück liegt. Einmal sagte mir ein Mann auf der Strasse, dass der Emil ihnen Tantiemen zahlen sollte. Ich fragte wieso? Er antwortete, dass ich ihre Sätze und Dialoge übernehme und daraus Geld mache. Deshalb sollte ich ihnen Tantiemen zahlen! Damit ist die Frage beantwortet: Im Volk ist ein wahnsinnig grosses Repertoire.

Der verstorbene Mitbruder, Pater Damian Rutishauser, war mit Ihnen in der Kunstgewerbeschule. Er sagte mir, dass Sie in der Klasse Ihr Kabarett-Programm ausgetestet hätten. Plaudern Sie uns zu diesem Punkt etwas aus der Schule.

(Emil ist erstaunt, dass sein Mitschüler gestorben ist). Das ist wieder so eine Geschichte. Ich kann mir das nicht vorstellen. Schule war Arbeit. Ich begann spät mit der Grafikerausbildung. Ich wusste, dass ich mich da durchbeissen musste. Das war für mich kein Spiel. Natürlich machte man etwa einen Spass. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass viele in der Schule gar nicht wussten, dass ich 200 Meter entfernt im «Hotel Balance» am Abend Vorstellungen gab. Erst als «Die Woche» eine Reportage über mich brachte staunten sie. Auch der Lehrer.

Pater Damian war Klosterfotograf und verfügte über eine professionelle Ausrüstung. Nach Pater Damian hätten Sie damals ebenfalls gerne eine derartige Kamera besessen und seien fast etwas neidisch gewesen…

Ich war neidisch, natürlich. Die im Kloster bekommen eine ganze Ausrüstung. Und ich musste zu Hause in einer Toilette vergrössern und mit den Chemikalien hantieren. Ich beneidete Pater Damian. Er konnte alles machen.

Meine Grossmutter väterlicherseits war eine halbe Luzernerin, unglaublich witzig und schlagfertig. Seelenruhig konnte sie statt Neonlicht Nylonlicht sagen. Ist der Emil-Humor luzernerisch grundiert? Oder anders gefragt: wären Sie ein anderer Emil, wenn Sie in Basel auf die Welt gekommen wären?

Das ist eine gute Frage. Ich sagte mal, dass die Stadt Luzern von ihrer Grösse her ein dankbarer Platz war. Wenn man in einer Stadt mit damals 50’000 Einwohnern etwas machte, gab das Echo. In den grösseren Städten wie Zürich oder Basel wäre ein Durchbruch schwieriger zu bewerkstelligen gewesen. Luzern ist eine katholisch geprägte konservative Stadt. Und Luzern ist fortschrittlich. In katholisch geprägten Orten ist der Fortschritt viel schneller da und man ist viel aufgeschlossener als in evangelischen Städten. Ich wusste nicht, dass wir mit dem Luzerner Dialekt eine Besonderheit hatten. Das stellte ich erst fest, als ich in Zürich auftrat. Man hinterbrachte mir, dass man mich in der Universtität imitierte. Und es war nicht bloss der typische Luzerner Ausdruck «rüdig». Da realisierte ich erstmals, dass der Luzerner Dialekt etwas Kostbares in sich hat.

Hat die Universität Ihnen nicht den Ehrendoktor verliehen?

(Lacht) Nein. Das muss nicht sein.

Existiert überhaupt so etwas wie regionaler Humor? Ich denke an die Witze über die Appenzeller oder die Muotathaler…

Ich könnte jetzt nicht sagen, dass man über die Luzerner spezielle Witze machen könnte.

Ist die Schweiz im Humorbereich ein Sonderfall?

Das Publikum in der Schweiz ist sehr gut. Deutsche Kabaretisten, die in die Schweiz kommen, staunen über unsere Kenntnisse. Wenn ein bayerischer Kabarettist in Hamburg auftritt, wollen die den gar nicht hören. Erstens wegen des Dialekts und zweitens interessieren die sich nicht für das, was in Bayern läuft. Wir sind total neutral und über alles irgendwie informiert. Wir sind aufgeschlossen.

Wir sind also nicht abgeschottet wie die Medien immer wieder beteuern?

Überhaupt nicht. Wenn ich die Zeitungen in der Schweiz aufschlage, kann ich enorm viel über das Ausland erfahren. Wenn ich in Deutschland bin, lese ich nie etwas über die Schweiz. Das ist für sie kein Bedürfnis. Wir hingegen sind orientiert über die Vorgänge in Deutschland. Diese Öffnung finde ich schön. Im Welschland funktioniert das Richtung Paris. Im Tessin Richung Mailand. Mit dem Kopf gehen wir über die Grenzen hinaus. Das finde ich gut.

Ich fragte einen Mitbruder, ob er zu Ihrem Auftritt im Stiftstheater kommen werde und bekam die Antwort, dass er sich lieber einen Krimi anschaue. Was sagt der Emil einem derartigen Humorverschmäher?

Ich weiss nicht, ob er ein Humorverschmäher ist. Vielleicht hat er Humor und mag meine Spässe nicht. Das akzeptiere ich. Ich erwarte nicht, dass jeder Mensch über mich lachen kann. Jemand schrieb mir, ich gehöre zu denen, die nicht aufhören könnten. Dennoch kam er in meine Vorstellung. Er war begeistert. So etwas habe er noch nie erlebt. Vielleicht hätte sich der Pater bei einem Besuch des Programms auch gesagt, was war ich doch für ein Depp. Einen Krimi sehe ich immer wieder, aber der Emil ist bloss einmal im Kloster.

Das Osterfest naht. Ihr sprichwörtlich gewordenes Kreuzworträtselwort Oktern rückt wieder in den Blickpunkt. Erinnern Sie sich an den Moment oder die Umstände, als Ihnen dieser Geniestreich einfiel?

(Schmunzelt) Das ist verrückt… (Telefonläuten bringt uns passend zur Kabarttnummer «Telegraphenamt» kurz aus dem Konzept). Wenn wir meine Filme im Studio schneiden, muss ich immer wieder lachen, obwohl ich ja alles kenne. Manchmal denke ich: Emil, wann ist dir das in den Sinn gekommen? In der Nummer «Polizeihauptwache» hat es derartige Sätze. Ich weiss nur eins: Diese Einfälle hatte ich meistens in der Nacht zwischen zwölf Uhr und fünf Uhr. Vorher war ich schlafen gegangen. Jetzt war Ruhe im Haus und ich konnte mich konzentrieren. Ich begab mich gedanklich in ein Theater und stellte mir einen Polizisten oder Feuerwerhrmann vor. Dann konnte ich einen Zacken zulegen. Das ganze war fern von der Realität. Wenn ich das Niedergeschriebene las, hatte ich Zweifel, ob es funktionieren würde. Kann man da lachen? Das ist so schwer. Im Voraus kann man es nicht sagen. Wenn jemand in der Premiere war und in der 30. Vorstellung – da muss ich ehrlich sein – hat er schon gemerkt, dass sich das Programm zu 70 Prozent verändert hat. Ich arbeitete in jeder Vorstellung neu. Ich habe alles aufgezeichnet, tagsüber abgehört und korrigiert, Wörter rausgenommen, neue Satzstellungen ausprobiert usw. Es war keine Arbeit, die man am Schreibtisch hingeschrieben hat. Jenen Moment, als mir Oktern einfiel, kann ich nicht mehr erruieren. Das sind kurze Blitzmomente ohne langes Studium. Es kommt dir und der Gag ist da. Dass daraus ein Wort wurde, dass Ostern Konkurrenz macht, tut mir fast leid.

Kirchliche Würdenträger und katholische Rituale werden von Komikern in öffentlich-rechtlichen TV- und Radiostationen und privaten Sendern nicht mit Samthandschuhen angefasst. Lachen Sie mit oder gehen Ihnen diese Spässe manchmal zu weit?

Ja, sicher. Über eine Religion mache ich keinen Gag. Das kann ich nicht. Wie ich auch keine zweideutigen Sachen mache. Das kommt mir gar nicht in den Sinn. Ich brauche es einfach nicht.

Das Problem ist vielleicht, dass man über die Muslime nichts zu sagen wagt, während man über die katholische Kirche munter spötteln darf…

Diese Frechheit oder Lockerheit hat sich mit der Zeit entwickelt. Sobald die besten Leute das am Fernsehen machen, ist es wie ein Freipass für andere. Über Bundesräte hat man sich früher auch nicht lustig gemacht. Wichtige Kabarettisten haben dann den Blocher angegriffen. Für mich ist es billig, wenn man diese Sachen auf die Rolle nimmt. Ich möchte nicht mehr sagen, sonst bin ich wieder der Böse.

Was kommt nach dem Tod? Machen Sie sich Gedanken darüber?

In Interviews zu meinem Geburtstag wurde ich dazu befragt. Hast du Angst vor dem Tod? Vor drei Tagen hat man mir in der Vorstellung in Olten ein Geschenk überreicht. Es war ein Fotobuch mit der Zahl 80. Was achtzig? Ich bin achtzig Jahre alt geworden. Das hatte ich total vergessen. Für mich sind die Begegnungen interessant. Ich muss nicht über ein Leben nach dem Tod nachdenken. Dazu kann mir niemand eine Antwort geben. Wir kennen Aussagen von den Aposteln. Wir wissen aber auch, dass viele dieser Sätze im Laufe der Jahrhunderte eine Wandlung durchgemacht haben. Ich könnte nicht sagen, was wahr ist. Ich brauche diese Wahrheit oder Gewissheit, was nach dem Tod kommt, nicht. Ich weiss, was alle wissen. Wenn Du stirbst, bist du gestorben. Dann bist du für die Menschheit nicht mehr da. Du liegst irgendwo oder verbrennst (Niccel Steinberger, die Gattin Emils, naht). Das ist eine schwierige Frage. Wir brechen hier ab.

Lieber Emil Steinberger, ganz herzlichen Dank nochmals für Ihren Benefizauftritt zugunsten des Klosters Einsiedeln.

Ich hoffe, dass ihr das Geld gebrauchen könnt.

Begeisterte Ovationen: Emil nimmt den Applaus für sein Programm "3 Engel" auf der Stiftsbühne entgegen.


Das Interview führte Bruder Gerold Zenoni.
Fotos: Bruder Gerold Zenoni



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Emil, Füürobig. Edition E, DVD, Schweizer Dialekt, 120 Minuten, CHF 39.-, ISBN 978-3-905638-10-3
Emil, Unvergässlichi Gschichte, Edition E, DVD, Schweizer Dialekt, 130 Minuten, CHF 39.-, ISBN 978-3-905638-13-4
Emil, E wie Emil träumt, Edition E, CD, Schweizer Hochdeutsch, 70 Minuten, CHF 25.-, ISBN 978-3-905638-22-6
Emil – Wahre Lügengeschichten, Edition E, 152 S., CHF 21.-, ISBN 978-3-905638-43-1
Siehe auch: www.emilshop.ch