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Ex-Skifahrerin Vreni Schneider im grossen Salve-Interview

«Etis» über Vreni Schneider

Im November 2012 trat die Ex-Skifahrerin Vreni Schneider als Sängerin in «Happy Day» bei Röbi Koller im Schweizer Fernsehen auf. Der Direktsendung im Studio in Zürich wohnten zwei Mönche des Klosters Einsiedeln bei. Nach der Sendung trafen sie die erfolgreichste Skifahrerin der Schweiz auf der Showbühne. Vreni Schneider sprach bei dieser Gelegenheit spontan von Pater Maurus aus dem Kloster Einsiedeln, der sie mitgetraut hatte. Bruder Gerold Zenoni führte mit Vreni Schneider in Pfäffikon ein Interview.

Bodenständig im besten Sinne des Wortes ist sie ganz gewiss: Vreni Schneider bestellt im Hotel Schiff in Pfäffikon, wo uns der Hotelier einen ruhigen Raum für das Gespräch zur Verfügung gestellt hat, eine Ovomaltine und verrät zu Beginn des Interviews ihre Liebe zum Glarnerdialekt. Sie findet es etwas schade, betrachtet das aber in der heutigen Zeit als normal, dass ihre Söhne wie der aus Wilen am Zürichsee stammende Vater «Fenschter» statt «Pfischter» sagen und erwähnt den speziellen Elmer Ausdruck «Etis» für etwas.

Beim Recherchieren für dieses Gespräch ist mir wieder aufgegangen, wie enorm erfolgreich Sie waren mit dreimal Gold an Olympischen Spielen und an Weltmeisterschaften. Welches war Ihr schönster Sieg?

Uh. Es ist schwierig einen Sieg hevorzuheben, denn ich errang 55 Weltcupsiege. Es brauchte alle, damit sich die Zahl 55 ergab. Je älter ich wurde, desto schwieriger war es zu siegen. Von daher war der letzte Sieg der schönste. Aber der allerschönste Titel war die Olympiagoldmedaille in Lillehammer 1994. Zum drittenmal Olympiagold! Es stimmte einfach alles: die Umgebung, die Leute und vor allem die Umstände. Im ersten Lauf belegte ich lediglich den fünften Rang. Im zweiten Lauf hatte Katja Koren bei der Zwischenzeit sechs Zehntel Vorsprung auf meine Spitzenzeit. Mei, diese junge Slowenin würde den Sieg nach Hause fahren. Mit meinen zwei Silber- und der Bronzemedaillen durfte ich zufrieden sein. Im zweiten Teil der Strecke kam meine Konkurrentin nicht recht vom Fleck. Übrigens könnte ich diesen Slalom noch genau ausstecken. Vor allem den Schlussteil. Derart exakt habe ich mir jedes Tor eingeprägt. Koren passierte das Ziel. An der Anzeigetafel leuchtete Platz 3 auf. Sie jubelte. Trotz ihres jugendlichen Alters hatte sie dem Druck standgehalten. Sie war glücklich und ich ebenfalls, denn ich musste für meine Goldmedaille nicht von einer ausgefallenen Mitkonkurrentin profitieren. Das war entschieden der schönste Sieg. Damit war ich dreimal Olympiasiegerin geworden. Nicht nur einmal, sondern dreimal! Alle waren nach diesem Rennen glücklich. Gut, Pernilla Wiberg nicht. Ihr blieb der vierte Rang. Aber sie hatte Kombigold. Es war alles gerecht verteilt.

Sie scheinen keine verbissene Sportlerin gewesen zu sein und gönnten auch Ihren Konkurrentinnen etwas…

Das war mein Geheimnis. Ich war zwar verbissen, aber gegen mich selber. Beim Training war ich extrem verbissen. Brutal verbissen sogar. Ich hatte einen unbändigen Willen. Aber nicht gegen die anderen. Ich hatte das Gefühl, dass das zurückkommen würde. Ich erkannte, dass dies nicht der richtige Weg sein konnte. Ich stand also nicht im Ziel und dachte, hoffentlich fallen einige Fahrerinnen aus. Ich wusste immer, dass ich es mit eigener Kraft schaffen musste. Und wenn andere dich schlagen, so ist das Sport. Gleichzeitig wurde ich angespornt: aber nächste Woche bist du wieder zuoberst. Das war eine gute Art, mit den Mitfahrerinnen wie McKinney, Seizinger, Merle, Compagnoni, Ertl, Gerg, Wiberg und den Schweizerinnen mit Erika Hess, mit der ich sowieso befreundet war, und den Österreicherinnen, umzugehen. Wir hegten Respekt voreinander und gönnten uns Siege, denn die Anderen waren eben so gut. Es brauchte das Quentchen Glück, denn beim Einfädeln geht es um Millimeter. Vielleicht gab es auch noch eine höhere Macht, die über Sieg oder Niederlage entschied. Entscheidend für einen Sieg war Zufriedenheit mit sich selber. Ich sass manchmal auf dem Sessellift und betrachtete die Spuren im Schnee. Da realisierte ich, was für ein privilegiert schönes Leben ich führen durfte. Ich war dankbar und überaus glücklich. Ich sah die verschneiten Bäume und wusste, dass dies das Leben war, ein Leben mit Leidenschaft und Freude. Dann gewann ich meistens. Dabei kämpfte ich immer bis einen Meter nach der Ziellinie. Vielleicht lag es daran, dass ich nicht verbissen kämpfte und nur den Skisport gelten liess. Als ich sechzehn war, starb meine Mutter an Krebs. Das hat mich geprägt. Es war ein einschneidendes Erlebnis. Ich empfand einen Schock über den Verlust der über alles geliebten Mutter. Vater versuchte zwar das Menschenmögliche, um sie zu ersetzen. Dennoch fehlte sie. Ich spürte aber auch, dass mir die Mutter half. Da lernte ich zu kämpfen. Diese Erfahrungen gaben mir Kraft für Siege.

Was war die bitterste sportliche Niederlage?

Das war die Olympiade Albertville 1992. Im Abfahrtstraining für die Kombination stoppte ich. Ich hatte Angst. Rückenschmerzen plagten mich. Mein Körper war schlicht und einfach nicht in Form. Ich verzichtete auf die Kombination. Im Riesenslalom brach ein Skistock. Ich fuhr auf dem agressiven Schnee schlecht und kam mit der Situation nicht klar. Die ganze Olympiade stimmte für mich nicht. Wir logierten im für mich zu grossen Olympiadorf. Ich konnte mich zuwenig abschirmen. Zwar war es schön, die verschiedenen Athleten und ihre Sportarten kennenzulernen. Ich wollte aber Ruhe und Natur. Schon von Beginn weg passten mir einige Sachen nicht. Ich ging ohne Medaille mit einem lädierten Rücken weg. Im nächsten Jahr an den Weltmeisterschaften in Morioka gabs wieder keine Medaille. Ich fuhr schlecht. Auch wegen den wetterbedingten Verschiebungen. Am Tag des Rennens war bei mir die Luft draussen. Das waren meine grössten sportlichen Niederlagen. In Lillehammer konnte ich diese Schlappe zu meiner Freude wieder ausmerzen.

Welchen Stellenwert hat das Material für einen Sieg?

50 zu 50 Prozent. Das Material ist wichtig, aber der Mensch ist ebenfalls entscheidend, denn fahren muss man immer noch selber. Zu meiner Zeit hatten wir gutes Material. Das dürfte auch heute so sein. Vertrauen und körperliche Verfassung sind jedoch ebenso wichtig.

Schätzten Sie es oder empfanden Sie sogar etwa wie ein bisschen Nationalstolz, weil bei den meisten Skirennen die Zeit durch Schweizer Uhrenunternehmungen gestoppt wurde?

Man fühlte sich heimisch. Das konnte ein psychologischer Vorteil sein. Jedenfalls war es positiv. Die Leute aus dem Zeitnehmerumfeld zogen von Skistation zu Skistation. Mit ihnen konnte man sich auf Schweizerdeutsch unterhalten.

Bestechen aber konnte man sie nicht?

Nein, nein. Man wusste, dass es in diesem Bereich 120 Prozent genau ablief. Am Start war man nervös und musste sich zusammenreissen. Da sagte dieser Sepp von der Zeitnehmerfirma: «So Vreni, mach’s guet. Start frei.» Das war toll.

Haben Sie eine Lieblinguhrenmarke?

Nein. In meiner Aktiv-Zeit erhielten wir eine Ebel-Uhr als Geschenk. Die war fast zu schön für eine Sportlerin. Schauen sie: Ich trage eine alte Swatch-Uhr. Sie ist nicht mehr schön. Ich kaufe mir dann wieder mal eine neue. Die Uhr für einen besseren Anlass zu wechseln, daran hat man nicht gedacht. Bei mir haben Uhren keine grosse Bedeutung.

Unsere Familie hatte lange keinen Fernseher und schaute Skirennen bei Verwandten und Nachbarn. Wann und wo sahen Sie Ihre ersten Skirennen im Fernsehen?

Auch bei uns gab es zuerst keinen Fernseher. Dabei waren wir eine skisportbegeisterte Familie. Einzig wegen der Skirennen kauften meine Eltern einen Schwarz-Weiss-Fernseher. Sie verzichteten dafür auf anderes. Zu Beginn – ich erinnere mich gut – kamen Skirennsportbegeisterte, um Rennen zu schauen. Es war die Zeit von Marie-Theres Nadig, Bernadette Zurbriggen, Lise-Marie Morerod, Colombin, Russi, Hemmi und Tresch. Es dauerte nicht lange, da hatten alle einen Schwarz-Weiss-Fernseher. Bloss wegen der Skirennen (lacht).

1995 haben Sie Ihren Rücktritt bekanntgegeben. Können Sie einschätzen, wie stark und in welche Richtung sich der Skizirkus seither verändert hat?

Der Skiszirkus hat sich stark verändert. Im Materialbereich gab es eine grosse Entwicklung. Skitechnisch zählen aber immer noch Dinge wie Schwerpunkt oder die Beweglichkeit. Gut, das Carven hat sich krass verändert. Wir hatten noch Abfahrten mit vielen Unebenheiten. Heute ist mehr Tempo. Der athletische Körper ist aber nach wie vor das A und O.

Haben die Erfolge von damals für Ihr heutiges Leben überhaupt noch eine Bedeutung?

Ja, eine grosse. Der Skizirkus wird mich mein ganzes Leben lang mitprägen, denn es war eine einmalige Zeit. Dabei zählen nicht bloss die Siege, sondern auch die Niederlagen. Diese waren zwar hart. Doch Niederlagen stärken. Sie machen den Menschen zu dem, was er ist. 1989 gewann ich 14 Rennen (bis heute wurde diese Marke nicht übertroffen – A.d.V.). Das war einmalig. Ich verspürte eine grosse Sicherheit. Üblicherweise wollte ich am Start nichts wissen von den Zeiten meiner Konkurrentinnen. Jetzt überlegte ich mir: im ersten Lauf gibst du 90 Prozent. Dann, im zweiten Lauf gibst du Gas und gewinnst das Rennen. Ich gewann mit einer Hunderdstelsekunde Vorsprung, ich gewann mit anderthalb Sekunden Vorsprung. Es gelang mir alles. Ich schwamm auf einer Welle des Erfolgs. Wenn man nach einer Niederlage wieder zuoberst steht, ist das das Allerschönste. Diese Erfahrungen helfen mit heute. Etwa wenn man bei der Erkrankung eines Buben Freinacht hat. Am anderen Tag ist man trotzdem wieder auf dem Damm. Das lernte ich im Sport. Ich erwähnte schon, dass ich sehr ehrgeizig war. Als ich mit Spitzensport aufhörte, konnte ich das alles hinter mir lassen. Zwar wollte ich an Klubrennen ansprechend skifahren, oder im Volleyball, wo ich enormen Einsatz an den Tag legte, siegen. Wenn wir nicht gewannen, sagte ich zu meinen enttäuschten Kolleginnen: «Wir packen das beim nächsten Spiel».

Swiss Ski hat eine demütigend schlechte Saison hinter sich. Hätten Sie Rezepte, damit die Eidgenossen wieder vermehrt die Kuhglocken am Pistenrand bei Siegen von Schweizer Fahrerinen und Fahrern läuten könnten?

Ich bin nur noch Zuschauerinn von aussen und möchte nicht als Besserwisserin auftreten. Zudem ist es einfach, im Nachhinein zu sagen, wie es hätte laufen sollen. Ich erfuhr Details aus dem Training, die ich nicht gutheissen würde. Swiss Ski verfügt über Top-Trainer. Einige Fahrer gerieten in eine Negativspirale. Sieg und Niederlage sind nahe beieinander. Man muss warten können und Geduld haben. Auch sollte man vor allem in Krisensituationen zu den Athleten stehen. So freute ich mich über Aussagen aus den Zielräumen der Rennen, wo sich Schweizerinnen und Schweizer trotz fehlender Resultate positiv über ihre Landsleute äusserten. Wenn die Schweizer alles gewinnen, ist es einfach Fan zu sein. Erfolge sind zudem in jeder Nation immer wellenförmig. Die Schweizer Damen lieferten ja Superresultate.

Vreni Schneider als Trainerin. Ist das ein Thema?

Ich wäre viel zu wenig streng. Ich wäre nicht hart genug mit den Jungen. Das sieht man bei meinen Söhnen. Wir haben sie vielleicht auch ein bisschen zu sehr verwöhnt. Aber wer macht das heute nicht?

Wo haben Sie Skifahren gelernt und wann zeichnete sich ab, dass Sie eine Siegerfahrern werden könnten?

Die ersten Versuche unternahm ich neben dem Elternhaus. Ich stürzte und heulte. Mein Vater bemerkte, dass ich keine gute Skifahrerin werden würde. In den ersten Schuljahren wurde man auf mich aufmerksam. Es hiess, dass dieses Mädchen etwas in den Beinen habe, das andere nicht hätten. Ich stach aus der Schar der übrigen heraus. Dass ich allerdings derart viele Siege erringen würde, daran hat niemand geglaubt. Eine Stärke unserer Familie war, dass man mich zwar unterstützt aber nie gedrängt hat. Einmal hatte ich Heimweh und wollte nicht ins wartende Auto fürs Trainingslager einsteigen. Da hiess es: Vreneli, du musst nicht gehen, wenn du nicht willst. Ich blieb die ganze Woche daheim, dachte aber immer an die Anderen im Training. Danach bin ich – trotz Heimweh – immer mitgegangen. Ich wollte Skifahren. In der Schule erledigte ich bloss das Notwendigste. Kaum waren die Lektionen beendet, stand ich wieder auf der Piste. Im Sommer sprach ich vom Skifahren und im Herbst konnte ich den Beginn des Tranings kaum erwarten. Ich war fasziniert vom Schnee.

Und nun singen Sie volkstümliche Schlager. Bei Röbi Koller in «Happy Day» hatten Sie einen vielbeachteten Auftritt. Wieso lehnen Sie nun alle weiteren Auftritte als Sängerin ab? Ist das nicht inkonsequent?

Ich bin da in etwas reingerutscht. Man fragte mich, ob ich singen könne. Ja, im Auto trälere ich Schlager und Lieder der Oberkrainer. Man bot mir schöne Lieder zum Singen an. Vielleicht hatte ich dann etwas zu viel Mut. Den Auftritt in «Happy Day» fanden viele gut, andere weniger gelungen. Alles war sicher nicht perfekt. Ich nahm die Kritik, die auf mich niederprasselte sportlich. In der schönen Schweiz darf jeder seine Meinung frei äussern. Die Familie stand natürlich voll hinter mir. Die Kritik nahmen meine Angehörigen aber auf eine besondere Art und Weise wahr. Alles, was folgte, wuchs mir etwas über den Kopf hinaus. Die CD verkaufte sich rund 5000 mal, was für Schweizer Verhältnisse und eine Newcomerin durchaus beachtlich ist.

Also doch kein Fehler?

Nein. Vor zwei Jahren verstarb mein Vater. Ich fiel in ein brutales Loch. Das Lied zur Erinnerung an meinen Vater «Ich vermisse Dich» auf der CD hat mir gefallen. Ich musste bei den Aufnahmen etwa zehnmal ansetzen, denn immer wieder begann ich zu weinen. Mein Vater hatte Herzprobleme. Mit 82 Jahren war jeder neue Tag für ihn ein Geschenk.Bloss wegen des Liedes «Ich vermisse Dich» bin ich froh, die CD gemacht zu haben. Meine beiden Buben singen das Lied häufig, wenn sie mitbekommen, dass ich in Gedanken bei ihrem Grossvater bin. Wir vermissen den Grossvater auch, sagen sie dann und erzählen, wie er ihnen von oben Sugus in einen Hut warf. Ich bin total gerührt, wie meine Söhne über ihren Grossvater reden. Ich kann das schwer in Worte fassen. Sicher würden meine Söhne auch sonst an den Grossvater denken. Doch dieses Lied verbindet uns enorm. Ich sagte mehrere Live-Auftritte ab. Andere Künstler können das nicht begreifen. Ich bin Mutter und nicht Sängerin. Vielleicht drehen wir mal einen Clip über die Entstehung der CD. Die Aufnahmen haben Spass gemacht.

Die kiwigrüne Daunenjacke, die Sie bei Ihrem Auftritt trugen, machte Furore in den Modegeschäften. Auf was achten Sie beim Kleidungseinkauf?

Ich kaufte die Jacke in einem Modegeschäft. Es war keine Skijacke. Man schrieb nach meinem Auftritt, dass die Jacke gelb-golden gewesen sei. Das störte mich. Als ob ich damit Gold beim Singen machen möchte. Ich trug die Jacke bloss noch in unseren Skiferein in Österreich. Sie hängt in meinem Schrank. Wenn jemand käme und sagen würde: «Wow, Superjacke!», würde ich sie hergeben. Vielleicht war ich etwas zu naiv bei dieser CD-Produktion. Natürlich sollten die Leute davon Kenntnis nehmen, aber nicht in dem Ausmass, wie es geschah. Negativen Briefschreibern antwortete ich, dass es mir leid täte, dass sie sich so aufgeregt hätten. Doch gebe es Wichtigeres im Leben.

In der Sendung «Giacobbo & Müller» hat man Sie auf ironische Art und Weise mit einer Pisteneröffnung in Nordkorea in Verbindung gebracht, wo Sie angeblich den Titel «Keis Kafi am Pischtärand» singen würden. Wie reagieren Sie auf derartige Vereinnamungen duch die Medien?

Diese Sendung sah ich nicht. Ich schau die Sendung nie. Nicht bloss, weil ich «drankomme». Mir passt nicht, wie andere Personen bei «Giacobbo & Müller» auseinandergenommen werden. Man sagte mir, dass ich es positiv sehen müsse, wenn ich dort vorkomme. Zwei, dreimal geht ja noch. Aber die wollten nicht mehr aufhören.

Sie wurden 1999 von Pater Maurus aus dem Kloster Einsiedeln in einer ökumenischen Trauung verheiratet. Wie hat sich dieser Kontakt mit einem Mitbruder aus unserem Stift ergeben?

Der Kontakt entstand durch meinen katholischen Mann. Seine Familie besucht Einsiedeln regelmässig. Es war mir ein Anliegen, ökumenisch zu heiraten. Eine von mir besuchte katholische Hochzeit im Wallis hat mich tief berührt. Der Pfarrer hat eindrücklich die Tiefe einer Trauung aufgezeigt. Wir Reformierten haben das ebenfalls. Gerade unser Pfarrer in Elm hat immer schöne Trauungen gehalten. Hochzeiten und Beerdigungen bei den Katholiken haben mich immer beeindruckt. Meine Trauung war sehr schön. Richten sie Pater Maurus einen lieben Gruss aus. Wir waren mit unseren Buben zu einem Besuch bei ihm. Ich hoffe, dass es ihm gut geht. Er sagte uns, dass sich das Alter bemerkbar mache. Die Stiftskirche ist für mich sehr beeindruckend. Das ist eine andere Welt. Man hat das Gefühl, dem Herrgott nahe zu sein. Meine Söhne hatten bei diesem Besuch viele Fragen zum Kloster. Ich hege Ehrfurcht vor diesem Ort. Wenn wir in der Nähe sind, schauen wir nach Möglichkeit in die Kirche rein.

Schauen Sie auch bei der Muttergottes vorbei?

Doch. Ich hatte bei all meinen Rennen immer ein Muttergottesbildchen, das mir jemand geschenkt hat, dabei. Es wird noch in meinem Geldsack sein. Wir Reformierten haben einen anderen Zugang zu diesen Sachen. Während der Weltcupsaison ging ich gerne in Gotteshäuser. Da kam ich zur Ruhe. Ich erinnere mich an die wunderbare Kirche von Bad Gastein. Von diesem Bau war ich beeindruckt. In vielen Skistationen besuchte ich die Kirchen oder lief über den Friedhof. Etwa in Sölden. Mir gefallen Kirchen aus dem Alpenraum. Haus im Enstal oder Santa Catarina. Im Südtirol gefielen mir die Kirchen sowieso. Zwar ist es nicht wie in Einsiedeln, aber auch schön (lacht). Ich nahm mir immer Zeit für die Kirchenbesuche. Vor den Rennen machte ich Footing (Schnelligkeitstrainng – A.d.V.). Danach besuchte ich eine Kirche. Ich ging nicht hin, um für einen Sieg zu beten. Aber ich betete immer. Dass ich die Augen offen haben möge, um das Schöne zu sehen. Ich betete um Gesundheit und für die Familie.

Inzwischen sind Sie Mutter von zwei Söhnen. Welche Werte und Erfahrungen aus Ihrem Sportlerinnen-Leben versuchen Sie ihnen mitzugeben?

Jene Werte, die ich von zu Hause mitbekam. Wir sind einfach aufgewachsen. Wir lernten dankbar zu sein und die Sachen zu schätzen. Kleine Sachen können viel bedeuten. Diese Aspekte möchte ich weitergeben. Doch in der heutigen Zeit ist das schwierig. Manchmal bekomme ich richtig Angst. An einem Geburtsag erhalten meine Buben zuviel Geschenke. Das ist nicht mehr normal. Aber so ist es heute. Man kann dem nicht ausweichen. Man kann ja den Leuten schwerlich sagen, dass sie bitte keine Geschenk geben möchten. Auch ich kaufe meinen Söhnen womöglich im Verlauf des Jahres zuviel Geschenke. Früher war das nicht so. Es geht uns zu gut. Wir beten jeden Abend mit jedem Sohn. Auch das möchte ich weitergeben. Meine Kinder besuchen inzwischen den Religionsunterricht in der Schule und reden davon. Eindrücklich fand ich ihre Aussagen zur Weihnachtsgeschichte. Sie fragen nach der Kreuzigung Jesu mit den Nägeln. Da wünschte ich mir, dass der Grossvater noch da wäre. Er wusste gar alles.

Träumen Sie noch von Ihren Siegen oder vom Skifahren?

Nein. Keinen Moment. Das was ich jetzt habe, ist für mich viel bedeutender. Ich darf Mutter von zwei Buben sein. Wenn sie gesund sind und alles wie am Schnürchen läuft, bin ich die Allerglücklichste. Die Kinder brauchen in der heutigen Zeit weissgott einen Schutzengel. Wenn sie mit dem Velo unterwegs sind und abprupt in eine Strasse einbiegen. «Wie oft habe ich dir das schon gesagt!», bemerke ich dann. Es könnte doch ein Auto kommen. Ich mache mir immer Sorgen. Ich bin eine altmodische Mutter. Wenn meine Kinder sagen: Mami, wir haben dich ganz fest gern, ist das das Schönste.

Vreni Schneider, besten Dank für das Gespäch!

Tatsächlich! Vreni Schneider öffnet auf dem Parkplatz ihr Portemonnaie und entnimmt ihm ein kleines Heiligen-Bildchen. Wie sich herausstellt, ist darauf aber nicht die Muttergottes abgebildet, sondern die Gründerin der Ingenbohler-Kongregation, Mutter Maria Theresia Scherer. Macht nichts, mitgeholfen zu vielen Siegen in einer beispiellosen Skikarriere hat es bei Vreni Schneider sowieso.