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Predigt an der Primiz von P. Daniel Emmenegger

6. Oktober 2013, Klosterkirche Einsiedeln, Pater Justinus Pagnamenta

Liebe Schwestern und Brüder in Christus. Chères frères et sœurs en Christ !

Le passage de l’Évangile que nous venons d’entendre, s’accorde très bien à la célébration d’une première Messe. Cela, parce qu’il s’agit d’une vocation : la vocation de Marie à devenir la mère de Jésus Christ. Et c’est également, si nous l’acceptons, la vocation à laquelle Dieu nous appelle chacun de nous, personnellement.

Ich bin nämlich davon überzeugt, dass die Erzählung des heutigen Evangeliums genau dem gleichen Schema folgt, mit dem Gott jede und jeden einzelnen von uns beruft.

Die Stimme Gottes vernehmen

Wir dürfen nicht meinen, für Maria sei es einfach gewesen, ihre eigene Berufung zu erkennen, nur weil ein Engel zu ihr mit klaren Worten gesprochen hat. Sie hätte wohl denken können, es sei nur ein Traum gewesen.

Gott spricht zu uns Menschen in ganz verschiedenen Weisen; manchmal durch Engelerscheinungen, manchmal durch klare Eingebungen des Geistes, und manchmal – und ich denke, dass das verhältnismässig oft vorkommt – durch andere Menschen in unserer Umgebung, durch Begegnungen, durch einzelne Ereignisse oder durch gute und schlechte Erfahrungen. Es ist nicht einfach, die Stimme Gottes zu vernehmen. Seine Stimme ist wie ein sanftes, leises Säuseln, das – in einer hektischen Gesellschaft wie der unsrigen – kaum wahrzunehmen ist. Es braucht viel Wachsamkeit, Aufmerksamkeit und Verharren im Gebet. Schon da – in der allerersten Phase einer Berufungsgeschichte – ist die Zusammenarbeit von uns Menschen gefragt, denn Gott will niemanden zwingen oder überreden. Von Anfang an lässt uns Gott die freie Entscheidung.

Angst vor der Berufung

Der Engel sprach zu Maria und sie "erschrak". Der Ruf Gottes kann in uns Angst auslösen. Am Anfang geraten wir vielleicht in Verwirrung, denn plötzlich tritt in unserem Leben eine neue Wende ein, und wir wissen nicht, wohin es geht. "Was soll dieser Gruss bedeuten?" – überlegt sich Maria.

Angst haben vor dem Ruf Gottes, das ist normal. Es ist normal, denn Gott hat mit uns etwas Grossartiges vor. Es ist das grösste Projekt der Weltgeschichte; es ist der Heilsplan Gottes: die Errichtung seines Reiches unter uns Menschen … "Er wird gross sein und Sohn des Höchsten genannt werden … und seine Herrschaft wird kein Ende haben" – spricht der Engel zu Maria.

Das Risiko eingehen

Es ist nicht einfach, "ja" zum Plan Gottes zu sagen. Und auch Maria hatte es nicht einfach, "ja" zu sagen. "Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?" – fragt Maria den Engel. Es muss für sie eine sehr schwierige Entscheidung gewesen sein: Ein Kind vor der Eheschliessung zu empfangen, hätte in den meisten Fällen den Ausschluss aus dem gesellschaftlichem Leben bedeutet, mit der Konsequenz, ins Elend zu geraten.

"Ja" sagen zur eigenen Berufung bedeutet manchmal, die eigenen Pläne zu gefährden, das eigene Leben aufs Spiel zu setzen. Aber für Gottes Plan lohnt es sich, alles zu riskieren. Wie schwierig es auch immer sein kann, die eigene Berufung zu bejahen, wir haben keinen Grund zu verzweifeln. Der Engel Gabriel gibt Maria das entscheidende Argument: "Für Gott ist nichts unmöglich". Diese Aussage des Engels soll für uns alle ermutigend und entlastend sein, denn eigentlich ist Gott derjenige, der handelt und wirkt – nicht wir – und Gott wird seinen Heilsplan bestimmt durchsetzen.

Sich klein machen

Entscheidend in unserer eigenen Berufungsgeschichte ist also nicht so sehr das, was wir leisten werden. Entscheidend ist, wie wir dem Ruf Gottes antworten – mit welcher Gesinnung. Maria ist für uns alle ein Vorbild: "Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast". Maria antwortet mit ihrem ganzen Wesen in Demut und Gehorsam. Maria tritt zurück, sie macht Platz für Gott in ihrem Leib und in ihrem Leben. Sie verzichtet auf ihre eigenen Pläne, sie macht sich klein und demütig, sie macht sich zur Dienerin des Herrn, damit Gott in ihr und durch sie wirken kann. Denn Gott wirkt nicht durch die Mächtigen und die Stolzen, sondern durch die Kleinen, die Niedrigen und die Schwachen.

La théologie orthodoxe nous enseigne qu’il existe une synergie entre Dieu et l’homme. Dieu donne à l’homme sa grâce. Il l’appelle à prendre part à la vie divine et à son plan de salut. Cependant Dieu veut laisser toute sa liberté à l’homme, et c’est à chacun de nous de choisir quelle réponse nous voulons donner. C’est à chacun de nous de choisir si nous voulons participer ou pas au grand plan de Dieu, c’est à dire le salut de tous les hommes. Peu importe quelles mots nous utilisons. Peu importe si nous répondons come le prophète Isaïe, en disant « me voici, envoie-moi » (Is 6,8), ou comme Abraham : sans mots mais en nous mettant en chemin, ou encore, comme Jésus, en disant « non pas comme je veux, mai comme tu veux » (Mt 26,39). Si nous voulons vraiment adhérer à la vocation à laquelle Dieu nous appelle, nous devons répondre avec tout notre être, en nous faisant humbles et obéissants, parce que la puissance de Dieu agit à travers ceux qui se font petits pour le Royaume des Cieux.

Geheimnis der Menschwerdung

Und nun berühren wir das grosse Geheimnis der Menschwerdung Christi. Durch das "Ja" Mariens, ist der Sohn Gottes Mensch geworden in der Geschichte von uns Menschen. Aber die Menschwerdung Christi ist nicht nur jenes geschichtliche Ereignis, das sich vor 2'000 Jahren abspielte. Christus will auch heute Mensch werden in jeder und jedem von uns, und zwar damit wir unsererseits Anteil erhalten an seinem göttlichen Leben. "Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir" sagt der Apostel Paulus. Christin und Christ zu sein, bedeutet, Christus im eigenen Leib zu verkörpern und das kann nur dann geschehen, wenn wir – wie Maria – uns klein machen und "ja" sagen mit unserem ganzen Leben, in Demut und Gehorsam.

Wenn das für alle Christinnen und Christen gilt, gilt es dann nicht umso mehr für Priester, die bei der Feier der Sakramente "in persona Christi" (in der Person Christi) handeln?

Titel Pater

Lieber P. Daniel, seit der Diakonenweihe trägst Du den Titel "Pater", d.h. "Vater". Das ist kein Ehrentitel. Dieser Titel "Pater" bezeichnet einen Auftrag: Wegweiser zu sein, damit die Menschen den Zugang zu Gott dem Vater wieder finden. Das ist keine einfache Aufgabe; für einen Menschen ist das unmöglich, nicht aber für Gott; denn Gott hat die Macht, unendlich viel mehr zu tun, als wir überhaupt erbitten oder uns ausdenken können (vgl. Eph 3,20). Nur die Demut und der Gehorsam geben dem Titel "Pater" seinen wahren Sinn, und zwar wenn du dich klein machst und zurücktrittst, damit die Macht Gottes in dir und durch dich wirken kann.

Primizspruch

Du hast als Primizspruch einen langen Vers aus dem Johannesevangelium gewählt. Dort heisst es: " … ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst". Du musst nicht den Märtyrertod erleiden, damit sich dieses Wort bewahrheitet. Dieses Wort gilt für alle Frauen und Männer, die ihre Berufung bejahen, denn nicht unser Wille, sondern der Wille des Vaters soll geschehen. Dann können wir im Angelusgebet zusammen mit Maria mit Recht sagen: "Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort".

Amen.