Sonntagsgedanke – 3. Dezember 2017

Die Adventszeit ist keine vorgezogene Weihnachtszeit - so wie es in unserer Konsumgesellschaft den Anschein macht. Der Advent ist eine Vorbereitungszeit auf Weihnachten hin. Und mit Vorbereitungen ist weniger das Äusserliche gemeint, als vielmehr das Innere des Menschen. Denn darauf kommt es letztlich an.

Viele Menschen sind im Stress wegen der Weihnachtsgeschenke. Aber gerade der Advent möchte uns darauf aufmerksam machen, was mit "schenken" und "Geschenk" überhaupt gemeint ist. Andrea Schwarz hat hierzu etwas Schönes geschrieben:

"Das Wort 'schenken' kommt von 'jemandem etwas zu trinken geben', und wir finden es auch heute noch in den Wörtern 'jemandem etwas einschenken', 'einen ausschenken' oder die 'Schankwirtschaft'. 'Schenken' heisst also eigentlich 'jemandem den Durst stillen'. Und das könnte nun wirklich einen ganz neuen Blickwinkel auf all diese Gedanken um Geschenke werfen. [...] Wonach oder worauf hat der andere eigentlich Durst?" (aus: "Eigentlich ist Weihnachten ganz anders", Herder, S. 42).

Ja, wonach oder worauf hat der andere eigentlich Durst? Ist es wirklich ein neues Computerspiel, ein Handy, ein Gutschein? Oder könnte es nicht Durst nach Anerkennung und Wertschätzung sein? Durst nach Liebe? Durst nach Versöhnung und Neuanfang? Durst nach Freundschaft und Verstandensein?

Nehmen wir uns doch diesen Advent mal Zeit, um über sinnvolle und nachhaltige Geschenke nachzudenken. Hören wir auf unser Herz: Wonach dürste ich? Worauf dürstet der oder die andere? Was könnte oder müsste ich zur Stillung dieses Durstes unternehmen? Die Antwort liegt im Inneren!

ADVENTUS DOMINI -
Ankunft des Herrn.
Sich Zeit nehmen,
bei sich ankommen,
bei sich sein.
Da sein, wenn der Herr kommt.

P. Benedict


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