Kar- und Ostertage 2018 im Kloster Einsiedeln

«Es war sehr gut»

Enorm viel Einsatz wurde von vielen Personen geleistet um die Kar- und Ostertage im Kloster Einsiedeln zu einem eindrücklichen Geschehen zu gestalten. Das Gnadenbild wurde mit dem Osterkleid aus dem Jahre 1721 bekleidet. In der Osternacht wurde das Sakrament der Taufe und Firmung gespendet.

bgz. Als so etwas wie eine gelungene Ouvertüre auf die Karwoche und die Ostertage durfte die Tamilenwallfahrt vom Samstag, 24. März, im Kloster Einsiedeln bezeichnet werden. Der Kreuzweg war dabei vor der Messfeier um 14.00 Uhr fester Bestandteil des Programms. In den gut besetzten Bankreihen der Klosterkirche konnte man zahlreiche Kinder und Jugendliche ausmachen. Andächtig verfolgten die Anwesenden das Geschehen um das Leiden Christi. Immer wieder erschallten über die eigens von den Tamilen installierte Lautsprecheranlage Gesänge und musikalische Impulse.

Staubsauger- und Putzgeräusche

Vermehrte Staubsauger- und Putzgeräusche in der Stiftskirche und den klösterlichen Klausurgängen waren ein untrügliches Zeichen dafür, dass das Osterfest nahte. Mit dem Hohen Donnerstag setzten dann die liturgisch besonders ausgezeichneten Tage vor Ostern ein. Dem Gedächtnis zur Einsetzung der Eucharistie um 19.00 Uhr am Donnerstag stand Abt Urban Federer vor. Er hielt auch die Predigt, nachdem er in der Begrüssung im Zusammenhang mit diesen Tagen von der wichtigsten Zeit im Kirchenjahr gesprochen hatte. «Wir sind berufen zu lernen, was christliches Leben heisst und ist.»

Der Abt sprach zu Beginn seiner Predigt von den Zeichen auf die wir angewiesen seien und erwähnte das Herz im Zusammenhang mit dem Ausdruck Liebe oder das Kreuz als Symbol für den Tod. Als stärkstes Zeichen für ihn persönlich bezeichnete der Abt das Osterfeuer, das in die dunkle Kirche gebracht werde und sich dann dort ausbreite. Auch die Enthüllung des Kreuzes an Karfreitag sei eine Chance zum neuen Verständnis dieses Symbols.

Keine Fusswaschung

Einen Unterbruch der Tradition der Fusswaschung erfuhr diese liturgische Handlung in diesem Jahr. Zwar schaffte es der Klostervorsteher mit Anfragen bei Schülerinnen und Schülern der Stiftsschule etwa die Hälfte der benötigten Personen zusammen zu bringen. Dann war aber Schluss. «Wieso Junge aufbieten, wenn sie sonst nicht da sind», sagte der Abt selbstkritisch und er meinte die Präsenz von jungen Menschen in unseren Gottesdiensten. Er erwähnte Papst Franziskus, der anregte nicht über die Jugend sondern mit der Jugend zu sprechen. «Der Papst holt die Jugend dort ab wo sie ist.» Zwar verzichte er auf die Fusswaschung, sagte Abt Urban, auf die Haltung, die dahinterstecke, möchte er aber nicht verzichten.

In der Nacht vom Donnerstag auf den Karfreitag und von Karfreitag auf Karsamstag fanden in der Unterkirche und in der Magdalenakapelle Anbetungsstunden statt, die für alle offen waren. Der Subprior des Klosters, Pater Gregor Jäggi, und der Schreibende waren für die Zeit von 05.00 Uhr bis 06.00 Uhr am Morgen des Karfreitags eingeteilt. Das Allerheiligste war auf dem Altar zur Verehrung aufgestellt. Im Hintergrund war eine Plastik des geschundenen Heilands mit Dornenkrone zu sehen. Kerzen brannten und die von der Klostergärtnerei bereitgestellten Blumen im Chor der Unterkirche wiesen mit ihrer Pracht bereits auf das nahe Osterfest hin. Kurzen Textabschnitten aus der Leidensgeschichte folgte ein Impuls. So bat Pater Gregor an einer Stelle um das Gebet für die Gequälten, Unterdrückten und Getöteten. Dann wurde jeweils ein Gesätzchen des Rosenkranzes gebetet.

Warum Karfreitag?

Wo sonst die Studentinnen und Studenten zum Essen in der Mensa anstanden, lagen am Karfreitag für den Stiftschor fein säuberlich ausgebreitet auf den Tischen die Noten nach Stimmen klassifiziert bereit. Aufmerksame Ohren konnten in der Klausur die Tonfolge des Einsingens und die letzte Probe des Stiftschores vor diesem Gottesdienst mithören. Die Karfreitagsliturgie begann um 16.00 Uhr mit einem stillen Einzug des Konvents. Die Passion sangen die Patres Theo Flury, Daniel Emmenegger und Thomas Fässler zusammen mit dem Stiftschor unter der Leitung von Pater Lukas Helg. Pater Lorenz Moser stellte zu Beginn seiner Predigt die Frage nach dem Sinn des Karfreitags, diesem Tag der Trauer und des Untergangs. «Ist denn das Christentum nicht die Religion der Freude und Zuversicht?» Es tue gut, wenn wir unsere Sorgen und Nöte teilen könnten. Der Prediger wies hin auf die anschliessenden grossen Fürbitten in denen auch für die Opfer von Krieg, Terror oder Hunger gebetet wurde. Es gelte ein offenes Herz für alle Notleidenden zu haben.

Kleiderwechsel und Osternacht

Nach dem Nachtgebet an Karfreitag nahmen der Kapellbruder und Pater Ansgar Schuler den Kleiderwechsel am Gnadenbild vor. Die in der Fastenzeit vorherrschende Farbe violett wurde durch das österliche weiss abgelöst. Bekleidet wurde die Einsiedler Muttergottes mit einem barocken Gewand aus dem Jahr 1721. In der Osternachtsfeier von Karsamstag erteilte Abt Urban das Sakrament der Taufe und Firmung. Im Buch Genesis hatte es geheissen: «Es war sehr gut.» Man kann diesen Satz als ein passendes Motto für diese speziellen Tage im Kirchenjahr nehmen. Im Hochamt an Ostern wurde Wolfang Amadeus Mozarts «Missa brevis in D KV 194» aufgeführt.

 


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