Predigt am Ostersonntag

1. April 2018, Klosterkirche Einsiedeln, Pater Lorenz Moser

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Festgemeinde.

Es ist jedes Jahr wieder ein erhebendes Erlebnis, wenn in der Osternachtsfeier wie mit einem Schlag die Osterfreude durchbricht: dem Abt und der ganzen versammelten Gemeinde wird eine grosse Freude verkündet: das Alleluja. Und dann ist sie da, die Osterfreude: das Licht geht an, die Glocken beginnen zu läuten, das Orgelspiel setzt ein, und dreimal wird das Alleluja angestimmt, immer wieder etwas höher. Und damit wird die grosse Freude verkündet: Christus ist auferstanden, Christus lebt. Und diese Freude hält auch heute noch an und bestimmt unseren Gottesdienst.

Wir haben wahrhaft Grund zur Freude, denn die Auferstehung ist der eigentliche Kern unseres christlichen Glaubens; wie sagt doch Paulus: "Ist Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos" (1 Kor 15,14), und er fährt fort: "nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden", und damit dürfen wir auch an unsere eigene Auferweckung glauben. Unser Glaube steht und fällt mit der Auferstehung unseres Herrn.

Damals am ersten Ostermorgen ging es allerdings ganz anders zu und her: Da war von Osterjubel und Osterfreude noch keine Spur, eher Ratlosigkeit und Erschrecken. Maria von Magdala stellte fest, dass der Stein vom Grab weggewälzt war, und sie meldete Petrus und Johannes: "man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben", worauf die beiden ebenfalls zum Grab kommen und feststellen: "es ist leer, Er ist nicht mehr da".

Und der Evangelist stellt kurz und bündig fest: "sie verstanden noch nicht die Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste". Noch weit und breit kein Auferstehungsglaube! Und so schliesst denn der Abschnitt aus dem heutigen Evangelium mit dem Satz, der allerdings nicht mehr gelesen wurde: "Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück".

Der Glaube an die Auferstehung des Herrn ist in den Jüngern erst allmählich erwacht und gewachsen. Die verschiedenen Osterberichte von der Erscheinung des Auferstandenen zeigen alle etwas Gemeinsames: da wird auf eigenartige Weise die Gegenwart ihres Herrn und Meisters erfahren – plötzlich ist er da, er erscheint ihnen, selbst bei verschlossenen Türen, und handkehrum ist er wieder verschwunden; er ist da, und er ist doch nicht da. Und vor allem: er lässt sich nicht festhalten.

Aber jedes Mal hinterlässt die Begegnung eine Erinnerung, und diese Erinnerung haben die Jünger gegenseitig ausgetauscht; die Emausjünger kehrten nach Jerusalem zurück, um ihr Erlebnis den andern Jüngern mitzuteilen, und siehe da, diese hatten etwas ganz ähnliches erlebt. Und so entstand im gegenseitigen Austausch mehr und mehr ein gemeinsames Bewusstsein, dass der Herr trotz seines Todes weiterhin da ist. Und das hiess: er ist zwar am Kreuz gestorben, das wissen alle, aber er ist nicht mehr tot, er ist auferstanden, er lebt.

Diese Erfahrungen haben sie weiter erzählt, sie waren der Inhalt der Verkündigung, wie wir in der heutigen Lesung aus der Apostelgeschichte gehört haben.

Die Auferstehung des Herrn ist keine Tatsache, die sich wissenschaftlich fassen und beweisen liesse. Der Auferstandene ist nur da gegenwärtig, wo Menschen an ihn glauben und sich nach diesem Glauben ausrichten. Und in diesem Glauben kann man sich gegenseitig bestärken. Das gilt für uns heutige Christen genauso wie für die Jünger der ersten Stunde. Darum ist es auch wichtig, dass wir immer wieder zusammenkommen zum gemeinsamen Beten und Feiern.

Seien wir dankbar, dass wir zu einer solchen Glaubensgemeinschaft gehören dürfen.

Seien wir dankbar, dass wir mit unserem Dabeisein einen Beitrag leisten können zur Vertiefung des gemeinsamen Glaubens.

Seien wir dankbar, dass wir unsere Glaubenserfahrung auch im Alltag weitergeben dürfen – eher durch unser Leben als durch Worte – und so unseren Mitmenschen zeigen können, wie wertvoll es ist, sein Leben auf diesem Auferstehungsglauben aufzubauen. Ein solches Glaubenszeugnis ist wohl etwas vom Wertvollsten, das wir unseren Mitmenschen und der heutigen Zeit schenken können.

Wenn das nicht ein Grund zur Freude ist! Amen.


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