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Predigt am Hohen Donnerstag

29. März 2018, Klosterkirche Einsiedeln, Abt Urban Federer

Liebe Brüder und Schwestern

Je wichtiger uns etwas ist, desto mehr sind wir auf Zeichen angewiesen. Für die Liebe steht ein Herz, auch eine Rose, für den Tod oft ein Kreuz, für die Trauer ein Kerzchen. Auch die Versöhnung geht uns nicht leicht über die Lippen und braucht Zeichen, eine Umarmung etwa, einen Händedruck. Und wenn es um die Zeit vom Abend des Hohen Donnerstags bis Ostern geht, um die wichtigsten Tage im Christentum, kann es nicht anders sein, als dass diese Zeit voller Zeichen ist. Das stärkste Zeichen für mich ist das Licht der Osterkerze in der Osternacht, das in die dunkle Kirche, in das Dunkle unseres Lebens hineingetragen wird. Dieses kleine Licht, das sich im Raum ausbreitet, kann mehr über die christliche Hoffnung sagen als viele Worte. Und wenn seit dem 5. Fastensonntag in vielen Kirchen die Kreuze verhüllt sind, dann wird dies gemacht, um ein Zeichen wieder mehr in den Vordergrund zu stellen: Wir haben uns so an die Kreuze um uns herum gewöhnt, dass die Verhüllung dieser Zeichen uns morgen am Karfreitag eine Chance geben möchte, bei deren Ent-Hüllung neu auf das Kreuz zu schauen, es neu zu verstehen in seiner Bedeutung für unser Leben.

Und auch der Hohe Donnerstag ist voller Zeichen. Eines davon ist vom Johannesevangelium überliefert: Jesus wäscht seinen Jüngern die Füsse, in der Antike ein Sklavendienst. Und so haben es die Jünger auch verstanden: «Niemals sollst du mir die Füsse waschen!», sagt der hl. Petrus. Das geht doch nicht, das Zeichen würde dann ja sagen, Jesus sei ein Sklave, ein Diener, aber er ist doch der Herr! Gerade so wollte Jesus das Zeichen verstanden wissen. Und weil er sich sicher war, dass die Jünger das Zeichen nicht begriffen haben, fragt er nach: «Begreift ihr, was ich an euch getan habe?» Wir denken, wir verstehen es, weil wir das Zeichen kennen, seit Jahren, seit Jahrhunderten. Ich lasse heute Abend dieses Zeichen weg. Ich hätte es anschliessend an diese Predigt durchführen können, indem ich noch schnell 12 Freiwillige gesucht hätte, die bereit gewesen wären, ihren Fuss hinzuhalten. Aber hätte dann das Zeichen wirklich zu uns gesprochen? Oder wäre es dann einfach gefeiert, «abgehakt» gewesen? In Rom hat Papst Franziskus für den Herbst zu einer Jugendsynode eingeladen. Eben erst ging dazu die Vorsynode zu Ende. Der Papst sagte dazu, heute werde das Jungsein zwar vergöttert, die Jugend selber aber ausgeschlossen. Darum brauche es keine weiteren Studien über die Jugend, kein Sprechen über die Jugend, sondern eines mit Jugendlichen. Darum habe ich versucht, Jugendliche unserer Stiftsschule für die heutige Fusswaschung zu gewinnen. Ich schaffte es nur bis zu Hälfte. Da war überhaupt kein böser Wille dabei. Noch heute Morgen sagt mir eine Schülerin, sie wäre schon gekommen, aber als Familie würden sie heute verreisen. Da hatte ich die Fusswaschung aber sowieso schon abgesagt.

Schade um die Fusswaschung? Nein. Wenn ich mir vorgenommen habe, in den Dialog mit Jugendlichen zu kommen, ihnen in der Fusswaschung zu zeigen, dass die Kirche ihnen dienen, ihnen zuhören möchte, wäre für mich das Zeichen falsch angebracht gewesen, nun irgendjemandem sonst die Füsse zu waschen. Und warum sollten Jugendliche so schnell für einen Gottesdienst aufgeboten werden können, wenn sie auch sonst nicht da sind? Papst Franziskus ist dies viel klüger angegangen: Er steht schon seit mehr als einem Jahr online mit der Jugend in Verbindung, hat Fragen in die ganze Welt hinausgeschickt und die Antworten dazu sammeln lassen. Er hat die Jugend dort abgeholt, wo sie ist, und konnte so nun bereits in einer Vorsynode in Rom ins Gespräch mit ihr kommen. Papst Franziskus fordert das Risiko der Fusswaschung, wo der Herr zum Sklaven wird, wenn er bei der Vorsynode in diesem Monat sagte: «Wir müssen etwas riskieren, denn es gehört zur Liebe dazu. Ohne Risiken altern junge Menschen, und altert auch die Kirche. Eine Institution, die nichts riskiert, bleibt ein Kind, sie wächst nicht.» Aber was sollen wir denn riskieren? Es ist schon viel, wenn wir uns nicht von der Angst leiten lassen! Der Papst sagt dazu: «Wie oft finde ich christliche Gemeinschaften, auch von Jugendlichen, die gealtert sind, weil sie Angst hatten. Angst wovor? Hinauszugehen, hin zu den existentiellen Peripherien des Lebens, dorthin, wo sich die Zukunft entscheidet. Die Vorsicht ist die eine Sache, sie ist eine Tugend – aber eine andere ist die Angst.»

Ich verzichte heute auf die Fusswaschung. Sie soll nicht zum Zeichen dafür werden, dass wir Angst vor der Leere haben, Angst vor der Tatsache, dass Jugendliche nur vereinzelt unter uns sind. Die Fusswaschung als Zeichen ist dabei zweitrangig. Die Haltung, auf die dieses Zeichen hinweist, auf diese möchte ich hingegen nicht verzichten. Christus sagt zu ihr im Evangelium: «Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füsse gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füsse waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.» Wir müssen uns nicht von Angst leiten lassen, sondern dürfen etwas wagen, etwas riskieren. Wir dürfen vor allem die Haltung von Jesus Christus zu unserer eigenen machen, wenn wir nun das zweite Zeichen des heutigen Abends feiern: das Sakrament der Eucharistie. Auch dieses Zeichen macht den Herrn und Meister zum Sklaven aller: Wir essen und trinken seine Hingabe für die Menschen, sein Dasein für andere, seine Liebe, die alles gibt. Lasst uns wie Christus werden, denn er ist in uns, wir müssen keine Angst haben. Lasst uns darum das Leben wagen – so werden wir unsere Jugend am besten begleiten und ihr vorangehen können. Amen.

 
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