Gemeinschaft

Seelsorge

Kultur

Schulen/Betriebe

Umfeld
GOTTsuchen

>> Home

[ print ]

 

Sonntagsgedanke – 8. April 2018

Stop and Pray! – ein nachsonntäglicher Gedanke

Es kommt vor, dass man ganz unerwartet und von unverhoffter Seite mit ganz wesentlichen Gedanken und Einsichten beschenkt wird. Eine solche Einsicht wurde mir am letzten Sonntag zuteil. Gerne teile ich sie auch am Dienstag mit Euch als "Sonntagsgedanke." Aber was heisst da eigentlich "Einsicht"? Fühlen sich solche Einsichten nicht oft wie Erinnerungen an? Man wird im Grunde nur an etwas erinnert, das man eigentlich schon weiss oder zumindest ahnt.

Am Sonntag nun eben hörte ich mir ein Interview mit der Philosophin Hannah Arendt aus dem Jahr 1964 an. Im Laufe dieses Gesprächs kam man auf das Phänomen der "Bürokratie" und deren Gefahren zu sprechen. Dabei machte Hannah Arendt zwei wichtige und meines Erachtens hochaktuelle Aussagen:

Zum einen: Bürokratie schafft Anonymität. Je komplexer oder auch raffinierter ein Verwaltungsapparat ist, desto schwieriger bis unmöglich wird es, konkrete Personen für Entscheidungen und Handlungen, die dieser Verwaltungsapparat hervorbringt, zur Verantwortung zu ziehen. Die in dieser Apparatur arbeitenden Menschen und Personen werden unsichtbar – anonym eben. Ihre Namen und Gesichter werden vom bürokratischen System verborgen – Arendt geht sogar soweit zu sagen, die Person werde ausgelöscht.

Abgesehen davon – und damit kommen wir zur zweiten Aussage Arendts – verflüchtigt sich Verantwortung durch rastlose Tätigkeit. Wer – gerade innerhalb einer bürokratischen Apparatur – non stop mit Meetings, Traktanden, Protokollen, Pendenzen und dergleichen mehr beschäftigt wird (dafür wird man ja schliesslich bezahlt!), kann – so Arendt – nicht mehr nachdenken, denn um nachzudenken muss man innehalten. Ohne Denken kann sich aber kein Verantwortungsbewusstsein bilden. Dazu muss man reflektieren – nicht so sehr über sich selbst, sondern darüber, was man tut. Arendt zitiert dann einen englischen Ausspruch und fordert: stop and think – halt an, halte ein und denke nach (was du tust)!

Ist vielleicht jetzt gerade für Sie der Zeitpunkt, diese Forderung zu beherzigen? Gerade, weil Sie vielleicht mit Aufgaben und Pendenzen eingedeckt sind, die Sie schier zu erdrücken drohen?

Stop and think! Und ich komme nicht umhin zu ergänzen: Stop and PRAY! Denn die Erkenntnis, ob unser Tun zum Guten führt, Leben fördert und aufbaut, statt es zu ersticken – diese Erkenntnis haben wir nicht aus uns selber. Da braucht es Licht "von oben". Bitten wir um dieses Licht: Stop and pray!

 
Akzeptieren

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren