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Sonntagsgedanke – 10. Juni 2018

Herz-Jesu oder: Zeig uns das Herz unseres Glaubens

I.
Am vergangenen Freitag – drei Wochen nach Pfingsten (wie könnte es anders sein, brauchen wir doch, um zu verstehen, den Geist Gottes, der uns erschliesst, was unser Verstehen übersteigt!), also: drei Wochen nach Pfingsten feierte die Kirche das Herz-Jesu-Fest. Es ist ein Fest, das uns geradewegs in die Mitte unseres Glaubens führt. Zwei zentrale Punkte können hier genannt werden: Erstens. Gott ist reine Liebe und Hingabe. Diese Liebe Gottes ist einzig glaubhaft und würdig, dass wir unser Leben darauf bauen, weil sie uns in allen Situationen tragen und heilen kann – im Leben und im Sterben. Zweitens. Diese Liebe ist weder abstrakt, noch handelt es ich um ein unerreichbares Ideal. Sie ist im Gegenteil höchste Wirklichkeit, und sie hat ein Gesicht: Jesus Christus. Das ist das Herz unseres Glaubens.

II.
Es kommt nun alles darauf an, dass wir dieser Liebe in Jesus Christus wirklich begegnen; dass wir wirklich beginnen, «die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen und die Liebe Christi zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt» (Eph 3,18 – spüren wir die Spannung? Wir sollen etwas verstehen, was unsere, ja alle Erkenntnis übersteigt! Eben: Veni Sancte Spiritus – Komm, Heiliger Geist!). Je mehr dies gelingt, je mehr wir in den Bann dieser Liebe geraten, desto weniger erschrecken wir ob der Fragilität und Zerbrechlichkeit menschlicher Beziehungen – sei es in Freundschaften, in der Ehe, in der Familie, in Gemeinschaften. Im Gegenteil: In der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, finden wir die Kraft, schwierige Situationen mitzutragen, durchzutragen, auch zu ertragen – und so beizutragen, dass Zerbrochenes und Verwundetes wieder heilen kann. Das ist höchstes Glaubenszeugnis.

III.
Damit wird auch klar, welches der Gradmesser dafür ist, ob wir der Liebe Christi wirklich begegnet sind, ob wir begonnen haben, sie zu durchmessen: Es ist der Mitmensch, der Nächste – und zwar der Nächste als der Andere. Denn die Liebe Christi und damit der Christen, in denen Christus Gestalt gewinnen will – diese Liebe ist eben eine hingebende, eine sich schenkende Liebe. Also das Gegenteil einer "Liebe", die vereinnahmt (was ja in Wirklichkeit gar nicht «Liebe» genannt werden kann!). Nur in einer Liebe, die sich schenkt, darf anderes sein; darf der Nächste – der Freund; der Ehemann, die Ehefrau; das Kind; der Mitbruder im Kloster – anders sein als ich selbst; ich brauche nicht zu wollen, dass der Andere so ist und denkt wie ich – nein: er ist eben der Andere, der meinen Weg vielleicht störend durchkreuzt – gerade weil er anders ist. Dieser Andere ist der Gradmesser meiner Liebe.

IV.
Wir sehen: Das Verstehen der Liebe Christi, die alle Erkenntnis übersteigt, ist kein Verstehen mit dem blossen Verstand. Es nichts, was ich in der Schule lernen oder an der Universität studieren kann. Christlich handelt es ich immer um ein praktiziertes, ein gelebtes Verstehen – d. h. ein Verstehen des Herzens, das viel weiter und umfassender ist als das Verstehen nur des Verstandes.

V.
Und noch etwas: Der Weg von uns Christen, der Weg der sich schenkenden und hingebenden Liebe ist evangeliums- und erfahrungsgemäss kein breiter und sehr komfortabler Weg. Es ist im Gegenteil ein schmaler Pfad, der uns zu einem engen Tor führt. Aber wenn wir ihn gehen, weitet sich unser Herz, und wir gehen ihn in unsagbarer Freude der Liebe. Und das vermeintlich enge Tor erweist sich als das weit geöffnete Herz unseres Herrn Jesus Christus.

P. Daniel