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Sonntagsgedanke – 5. August 2018

"Ich bin das Brot des Lebens"

Ein Bub hatte für sein Leben ganz schlechte Startbedingungen mitbekommen. Schliesslich landete er bei uns an der Stiftsschule. Es war ein guter Sportler, aber ein unangenehmer Schüler, mürrisch und launisch. Als es endlich etwas besser wurde, erkrankte er unheilbar an Krebs. Seine Pflegemutter meinte zu ihm, er solle beten, das Gebet würde schon helfen. Das ertrug er nicht. Auch eine Klosterschwester, die ihn kurz vor mir besucht hatte, kam entsetzt zum Zimmer hinaus: so etwas Freches hätte sie noch nie erlebt. Er hatte sie hinausgeworfen, nur weil sie mit ihm beten wollte. Ich war alarmiert und redete mit ihm nur immer über StiftskollegInnen und den Eishockey-Club EVZug. Sein Zustand verschlechterte sich zusehends. Aber in seinem Blick stand klar: nur nichts Religiöses. So liess ich es sein. Schliesslich starb er. - Bei der Beerdigung kam die Stationsschwester zu mir und erzählte, er hätte ihr kurz vor dem Tod gesagt: "Hey, bekomme ich eigentlich nie die Kommunion?"

Ich weiss auch nicht, was da in ihm innerlich vorgegangen war. "Gott" war für ihn wohl immer ein abstraktes Konstrukt im Himmel geblieben, weit weg von seiner Realität, weit weg von seinem jugendlichen Leben, etwas, das nichts mit ihm zu tun hatte, erst recht nicht jetzt, da er todkrank war. Aber vielleicht hatte er nun, vor dem Tod, etwas entdeckt, das ihm plötzlich auf Augenhöhe begegnete. Einen, der auf dem Kreuzweg auch ein paar Mal da gelegen hatte wie er, der gelitten hatte wie er, an dem nichts gesund geblieben war wie bei ihm - und dem er in der kleinen Hostie persönlich begegnen durfte. So viel wusste er wohl noch von früher her.

Das Evangelium des heutigen Sonntags ist ein verwirrendes, weil auf verschiedenen Verständnisebenen stattfindendes Hin und Her zwischen Jesus und den Leuten über Brot und Speise und Manna und Moses. Bis Jesus das Ganze auf den Punkt bringt: "Ich bin das Brot des Lebens".

Das, meine ich, hat Daniel damals existenziell verstanden. Auch wenn es seine Zeit gebraucht hat, bis es so weit war. – Das kann auch bei uns so sein.

Pater Christoph Müller

 
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