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Predigt an Allerheiligen

Liebe Brüder und Schwestern
Der Herbst ist die Zeit der Erntedankfeste. Pausbäckige Äpfel, saftige Birnen, weitere Früchte und Gemüsearten werden auf Tischen schön sortiert und zum Verkauf angeboten. Auch Allerheiligen ist ein Erntedankfest, an dem uns die Früchte am Baum der Kirche in Erinnerung gerufen werden und für die wir danken sollen.

Der Saft mit den lebenswichtigen Nährstoffen für diesen Baum wird gleichsam aus dem Erdreich, aus Gott, von den unsichtbaren Wurzeln, von Jesus Christus, in die Zweige transportiert und speist dort die Früchte, die werdenden Heiligen, damit sie unter dem Licht der Sonne, der Hilfe Gottes, wachsen und reifen können. Der Saft ist die heiligmachende Gnade, der Heilige Geist, der uns vor allem und zuerst in der Taufe, dann auch in den andern Sakramenten geschenkt wird.

Dieser Baum der Kirche ist gewissermassen ein weitgespanntes Internet, das Gott mit den Menschen und die Menschen durch Gott auch untereinander verbindet. Ja, es verbindet sogar mehrere Daseinsräume miteinander. Es umfasst nicht nur die jetzt Lebenden, sondern auch jene, welche die kurze Zeitspanne ihres irdischen Daseins abgeschritten haben. Wenn Theologen von der streitenden Kirche sprechen, meinen sie die Glaubenden, die jetzt leben, oft kämpfen und ringen müssen, mit widrigen Umständen, mit sich selbst, ja, manchmal sogar mit Gott. Die leidende Kirche hingegen umgreift jene, die gestorben sind, aber weiter Zeit brauchen zur Läuterung und Klärung. Morgen an Allerseelen werden wir ihrer gedenken. Die triumphierende Kirche hingegen machen jene aus, welche den guten Kampf gekämpft und den Glauben bewahrt haben, die, standhaft in der Hoffnung, zu wahrhaft Liebenden geworden sind. Damit sind sie am Ziel angekommen und endgültig in die Wirklichkeit Gottes eingegangen.

Der Keim der Heiligkeit ist, wie wir gesehen haben, die Taufgnade. Also sind wir alle Kandidatinnen und Kandidaten für die Heiligkeit. Um zu einer guten Frucht am Baum der Kirche heranzureifen, müssen wir jedoch selbst mitwirken – es reicht nicht, den Wachstumsprozess einfach geschehen zu lassen; wir sind eben doch keine Äpfel oder Birnen!

Ich möchte zuerst drei Hindernisse nennen, die uns in diesem Prozess hindern können.

1. Die Selbstentfremdung
Sei, was du bist! Ein Apfel ist ein Apfel, eine Birne eine Birne. Schiele nicht zu sehr auf andere, versuche nicht, dich falsch anzupassen, auch wenn dich andere mehr oder weniger offensichtlich dazu drängen wollen.

2. Die Halbheit
Tue, was du tust! Als ich als Jugendlicher auf der Sinnsuche war, geriet mir am Schriftenstand einer Kirche eine kleine Schrift in die Hände, die Werbung für den Priesterberuf machte. Folgender Reim auf der letzten Seite blieb mir bis heute im Gedächtnis haften:

Willst du ein Leben wie eine Alb,
werde Priester und werde es halb.
Willst du ein Leben voller Glanz,
werde Priester und werde es ganz.

Keine Halbherzigkeiten also! Oder doch keine lebenslangen Halbherzigkeiten. Das gilt für Priester und Ordensleute, für Mütter und Väter, und für Alleinstehende. Gib dir immer wieder einen Ruck, aber verwechsle den grossmütigen Einsatz nicht mit dauernder Überforderung, die zum unverhofften Abbruch der Übung führen kann. Doch hänge kein billiges Würstchen in den Kamin in der trügerischen Hoffnung, nach einer gewissen Zeit eine ganze geräucherte Speckseite herausholen zu können.

3. Der Stolz, die blinde Überheblichkeit
Die Vorstellung wächst, dass wir alles in der Hand hätten und dass die totale Machbarkeit und Kontrolle eines Tages möglich sein würde. Aber: Zumindest weder Empfängnis noch Geburt hat niemand gewählt, und so vieles Anderes ist doch dem Wollen und Zugreifen entzogen. Betrachte auch die Bedingtheit und Vergänglichkeit aller natürlichen Dinge. Die gewonnene Einsicht führt zur Demut, die den eigenen Platz vor Gott (wichtig) und der Welt (weniger wichtig) erkennt.

Was kann uns auf unserem Weg denn helfen? Auch hier möchte ich drei Punkte vorschlagen.

1. Lesung, Gebet und Sakramentenempfang
Die Lektüre der Heiligen Schrift, aber auch jene eines jeden guten Buches sowie Zeiten der Stille, des Bei – Sich – Seins, der Meditation und des Gebets bauen auf. Ebenso wichtig ist es, den mechanischen und rein gewohnheitsmässigen Sakramentenempfang zu vermeiden – oder gar die gleichgültige Sakramentenabstinenz.

2. Die Betätigung von Glaube, Hoffnung und Liebe
Auch wenn du denkst, das jetzt noch nicht so gut, überhaupt nicht oder nicht mehr recht zu können: tue zunächst einfach einmal so, als ob du glaubtest, hofftest und liebtest! Tue, als ob! Du wirst sehen, dass etwas anders wird. Es gibt nämlich Dinge, die sich erst dann bewahrheiten, wenn wir sie tun. Vorher bleiben sie verschlossen und unzugänglich.

3. Die Betrachtung des Lebens und Sterbens Jesu Christi
Einmal bewegt uns seine Menschwerdung, dann wieder bedenken wir gewisse Seligpreisungen aus der Bergpredigt oder dieses und jenes Gleichnis. Alles aber fliesst letztlich zum Kreuz hin, an dem sich die finstersten Abgründe der menschlichen Existenz einerseits und das tiefste Wesen Gottes andererseits offenbaren.

Kein Heiliger und kein Christ wird an ihm vorbeikommen können. Die meisten Heiligen haben es sogar sehr gut gekannt. Sie waren eben keine pausbäckige Äpfel oder saftige Birnen, sondern Dörrobst, fast ohne Wasser, verschrumpelt und verrunzelt, aber ausgesprochen nachhaltig und nahrhaft. Denken wir an den von Berufungszweifeln zernagten heiligen Pfarrer von Ars, der viermal von seiner Pfarrei daran gehindert werden musste, wegzugehen. Er war ein begnadeter Seelsorger, während dessen Amtszeit aus einem verschlafenen und gleichgültigen Nest eine lebendige christliche Gemeinde geworden war. Denken wir an die heilige Mutter Teresa, die jahrzehntelang keinerlei geistliche Tröstung erlebte. Christus in den Armen zu dienen, blieb bis zum Schluss ihre einzige, sehr verhüllte Gotteserfahrung. Denken wir schliesslich an den Mitte Oktober dieses Jahres als heilig bestätigten Erzbischof von San Salvador, Oscar Romero, der sich für die Armen einsetzte und dafür von einer Militärjunta während der Messe am Altar erschossen wurde.

All diese Menschen haben den Keim, der in sie hineingelegt worden war, begossen und gehegt, sind ihren Weg gegangen. Heute mahnen sie uns eindringlich: mache dich auf - auch du!
Amen.

 
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