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Predigt am Fest Maria Empfängnis

Liebe Brüder und Schwestern
Mit den Marienfesten ist es so eine Sache: für die einen haben sie einen recht hohen Stellenwert in ihrem religiösen Leben - und das ist gut so, andere können mit ihnen weniger bis nichts anfangen – und das ist auch zu respektieren. Das gilt vor allem auch für das heutige Fest, mit dem selbst viele Katholiken ihre liebe Mühe haben. Sein Inhalt - die Bewahrung Marias vor jeglicher Makel der Sünde - wurde bekanntlich 1854 zum Dogma erhoben und damit zu einem verbindlichen Glaubensinhalt erklärt.

Nebenbei gesagt: Die Jünger und Maria, die damals um Jesus zum letzten Abendmahl versammelt waren, wie es hier oben in der Abendmahlskuppel dargestellt ist, wussten davon noch nichts!

Eigentlich schade, dass Maria auf diese Weise für viele zum Stein des Anstosses geworden ist, doch ein Blick in die Theologiegeschichte zeigt, dass es weitere Beispiele gibt: so ist die Frage nach der Art und Weise, wie Jesus in den eucharistischen Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig ist, bis heute einer der Streitpunkte zwischen der katholischen und der reformatorischen Tradition geblieben, ein Grund, warum die Ökumene, das Zusammengehen bis heute nicht gelungen ist. Auch von diesen Auseinandersetzungen hatten die damaligen Jünger keine Ahnung!

Nun hat das 2. Vatikanische Konzil einen Entscheid getroffen, dessen Konsequenzen wohl noch nicht richtig absehbar sind: wenn das Konzil die verschiedenen Konfessionen als kirchliche Gemeinschaften ernst nimmt und damit auch Nichtkatholiken als echte Christen anerkennt, dann heisst das doch, dass man Christ sein kann, ohne in all diesen strittigen Punkten die gleiche Meinung zu haben. Es gibt auch in den Glaubenswahrheiten eine Hierarchie, eine Rangordnung: da gibt es einen Kern des christlichen Glaubens, ohne den man nicht Christ sein kann, und es gibt verschiedene Ausdeutungen dieses Kernes, die im Verlauf der 2000 Jahre theologischen Suchens und Ringens zu unterschiedlichen Ergebnissen geführt haben. Es sind konzentrische Kreise, die immer weiter vom Kern entfernt sind.

Was heisst das für unser Verständnis von Maria? Sie war eine aus dem Jüngerkreis Jesu und gleichzeitig dessen Mutter. Was von beiden wichtiger ist, sagt der hl. Augustinus in einer Predigt mit folgenden Worten: "…es ist von grösserer Bedeutung, dass sie Jüngerin Christi, als dass sie seine Mutter war", und er verweist dabei auf das Wort Jesu: "Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen".
Das also ist das Entscheidende am Leben Marias, dass sie auf ihre Art und Weise das Wort Gottes hörte und es konsequent befolgte.

Nun hat man im Lauf der Zeit auch über Maria und ihre Stellung im Erlösungswerk ihres Sohnes nachgedacht. Es sind konzentrische Kreise entstanden, und auf dem äussersten Kreis stehen der Beginn und das Ende Ihres Lebens; man stellte fest: sie musste doch von Anfang ihres Lebens an – durch die Erlösungsgnade Gottes – auf ihre Aufgabe vorbereitet worden sein (der Inhalt des heutigen Festes), und das Ende Ihres Lebens kann nichts anderes sein als die endgültige Erlösung, also Ihre Aufnahme mit Leib und Seele in den Himmel. Ob das wirklich stimmt, das weiss – im menschlichen Sinn – niemand, es ist eine Sache des Glaubens, ein Geheimnis des Glaubens.

Kehren wir zurück zur Gegenwart Jesu in den eucharistischen Gestalten; nach dem Einsetzungsbericht spricht der Zelebrant jeweils die Worte "Geheimnis des Glaubens". Man kann diesen Ausruf verstehen als Zusammenfassung von all dem, was im Verlauf der Geschichte von den Theologen über die Realpräsenz erarbeitet und von der Kirche dogmatisch festgelegt worden ist, doch die wenigsten werden in diesem Moment daran denken. Vielmehr antworten wir als Gläubige: "deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir…", wir erinnern uns also an den Kern unseres Glaubens, an Tod und Auferstehung unseres Herrn – und das genügt.

Sollten wir nicht ein Gleiches tun, wenn uns die verschiedenen Facetten des Lebens von Maria vor Augen gestellt werden? Auch da gibt es Wichtigeres und weniger Wichtiges. Sollten wir – gerade auch am heutigen Festtag – im Blick auf Maria nicht auch sagen "Geheimnis des Glaubens" und uns dabei an das Wesentliche erinnern: an Maria als das Urbild eines Jüngers, einer Jüngerin Jesu, als jene, die seinen Ruf gehört und ihm in einmaliger Weise gefolgt ist. Das ist das Entscheidende, und wir tun gut daran, uns darauf zu konzentrieren. Und zu diesem Entscheidenden, zu dieser Aussage sollte jeder gläubige Christ ja sagen können, auch jener, der mit dem Geheimnis des heutigen Tages seine Mühe hat oder dieses Dogma nicht akzeptieren kann. Auf diesem gemeinsamen Nenner könnten sich die verschiedenen Konfessionen bei Maria wiederfinden. Hoffen wir, dass es bald geschehen wird. Amen.

 
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