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Predigt vom Weihnachtstag

P. THEO: Vor einem Monat habe ich einen dreidimensionalen Adventskalender aus Karton geschenkt erhalten. Der Boden stellt den Vorplatz von San Marco, Venedig, dar, die Stirnseite die Kirche und die Seitenwände die den Dom umgebenden Gebäude. Auf dem Platz ist für jeden Tag bis Weihnachten eine Öffnung eingelassen, in die man die entsprechenden aus einer Vorlage auszuschneidenden Figuren hineinstecken kann. Aber: die Tage hören beim 23. Dezember auf! Gottvater und das Jesuskind, die Figuren für den 24. finden nirgendwo Platz.

P. CYRILL: "Und die Seinen nahmen ihn nicht auf", so haben wir im Evangelium gehört. Diese Feststellung macht nachdenklich und trifft auch heute zu, vielleicht sind sogar wir damit gemeint. – Ich hätte einen Vorschlag für den Adventskalender von nächstem Jahr, der ebenso nachdenklich macht: sehr wohl mit einer Öffnung für den 24., aber ohne die dazu gehörende Figur. Die unbesetzte Öffnung versinnbildlicht die Offenheit des Menschen.

P. THEO: Die Offenheit des Menschen? Da kommt mir der heilige Paulus in den Sinn. Als er auf dem Areopag predigte, nahm er Bezug auf einen besonderen Altar, den die Griechen dort aufgestellt hatten, auf den dem unbekannten Gott geweihten Altar. Trotz des fein verästelten religiösen Systems dieses Volkes blieb nämlich das Gefühl dafür, dass selbst dadurch nicht alles abgedeckt werden konnte. Die Menschen spürten damals deutlich, dass nicht alles in den Griff zu kriegen war.

P. CYRILL: Ist das aber nicht die Erfahrung von allen Menschen zu allen Zeiten, unabhängig ob sie an Gott glauben oder nicht? Irgendwo haben wir doch alle das Gefühl für das Unabgeschlossene, wenn wir mehr vom Leben erwarten. An diesem oder jenem Punkt des Lebens sagt sich jeder: «Das kann es doch wohl nicht gewesen sein?»

Jedenfalls hat auch das Volk Israel diese Erfahrung kultiviert und so das Kommen des Messias und die Fülle der Zeiten erhofft und erwartet.

Wir Christen glauben zwar, dass mit Christus die Fülle der Zeiten angebrochen ist, und doch harren wir auf deren Vollendung.
Gerade wenn wir am 25. Dezember Weihnachten so süss und schmalzig feiern, müssen wir uns auch sagen: «Das kann es doch wohl nicht gewesen sein!» Wenn Weihnachten nicht weiterreicht als bis zum leuchtenden Weihnachtsbaum, dann bleibt diese Zeit eine schöne Illusion, die uns bald enttäuscht zurück lässt.
Intuitiv ahnen wir aber, dass Weihnachten mehr zu bieten hat. Vielleicht könnte die unbesetzte Öffnung meines Adventskalenders für nächstes Jahr auf ein Geheimnis hinweisen, das nicht einfachhin kommuniziert werden kann, hinter dem auch die wortgewandteste Predigt zurückbleibt.

P. THEO: Die manchmal schmerzliche Ahnung von diesem Geheimnis zeigt eben, dass wohl jeder und jede von uns gewissermassen ein innerer Adventskalender mit einer unbesetzten Öffnung in sich trägt. Steht sie nicht für eine tiefe Sehnsucht, für die Sehnsucht nach Angenommen Sein, nach Geborgenheit, nach Liebe, nach einem Zuhause, für die Sehnsucht einfach nach Mehr? Ich glaube, dass wir durch diese Sehnsucht so verwundbar werden wie unsere Achillesverse. Hier finden sich nämlich unsere wunden Punkte, wo wir zwar verletzlich, aber eben auch lebendig sind. Sie beängstigen uns vielleicht, so dass wir gar nicht über sie nachdenken, geschweige denn darüber sprechen möchten - oder wir lassen uns vom alltäglichen Treiben so einlullen, dass sie wie ausgeblendet werden. Vielleicht haben wir sie leider auch schon lange resigniert abgeschrieben.

P. CYRILL: Ist aber nicht gerade diese Sehnsucht der Ort, wo Gott uns erreichen kann? Vielleicht will Gott uns an einem überraschenden Ort und in einer überraschenden Weise ganz persönlich begegnen, so, wie wir uns das nicht einmal im Traum würden vorstellen können…

P. THEO:… wenn wir uns überhaupt überraschen lassen und uns in unserem Leben, auch in unserem geistlichen Leben, nicht einfach möglichst bequem und schmerzlos eingerichtet haben, dabei aber abstumpfen. Gerade das Weihnachtsfest, wie es oft gefeiert wird, weckt vor allem ferne Kindheitserinnerungen und möchte meist gar nicht gross über das flüchtig Sentimentale hinausgehen. Gott will aber nicht in unserer Vergangenheit Mensch werden, sondern hier und jetzt, dort, wo wir ihn gerade nicht erwarten. Angelus Silesius hat gesagt: "Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren und nicht in dir, du bliebest noch ewiglich verloren".

P. CYRILL: Das Weihnachtsfest stellt uns vor die Frage, ob wir uns von Gott, der heute Mensch geworden ist, überhaupt noch überraschen lassen wollen, oder ob wir alles abblocken, was den Horizont unserer Erwartungen sprengen könnte.

P. THEO: Das Weihnachtsfest will heute unsere Sehnsucht nach Mehr wecken und unsere Selbstverschlossenheit aufsprengen.

P. CYRILL: So wünschen wir ihnen Mut und Zuversicht, dem Weihnachtsstern zu folgen, dem Stern der Verheissung und der Hoffnung.

P. THEO: So sei es, amen.

 
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