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Predigt am Fest der Heiligen Familie

Liebe Schwestern und Brüder,
Wenn wir am Sonntag nach Weihnachten das Fest der Heiligen Familie feiern, dann denken wir zuerst einmal an Familienidylle und wohliges Zusammensein, wie wir es an Weihnachten immer wieder gerne zelebrieren oder aber auch darunter leiden, wenn sich unsere menschliche Realität so anders anfühlt.

Wir übertragen unser Idealbild von Familie automatisch auch auf die Kleinfamilie des Zimmermanns Josef aus Nazareth. Mit diesem Klischee räumt das Evangelium des heutigen Sonntags auf. Schon längst hat der kleine Jesus die Krippe und den Geburtsort Betlehem verlassen. Dazwischen stehen die überstürzte Flucht vor den Schergen des Herodes, ein längerer Aufenthalt im Ausland und dann die ziemlich unspektakulären Jahre im kleinen Nazareth, eingebettet in den einfachen Alltag und die Glaubenspraxis seines Volkes.

Und nun begegnen wir einem pubertierenden Jesus an der Schwelle zur religiösen Mündigkeit. Der Ort für diese Momentaufnahme aus der Zeit vor seinem öffentlichen Wirken könnte spektakulärer nicht sein. Der Tempel von Jerusalem bildet den Schauplatz für diese so ganz unweihachtliche Szene.

Unweihnachtlich?

Das ist eigentlich ein Unwort. Denn dann reduzieren wir das Fest der Menschwerdung Gottes auf Emotionen, die mit dem Kern des Weihnachtsfestes herzlich wenig zu tun haben. Weihnachten ist mehr als weihnachtliche Gefühle. Und hier kann uns dieser Evangeliumsabschnitt als Augenöffner dienen.

Denn wie die Vorgeschichte der Geburt Jesu und die Erzählung des Geburtsereignisses selbst so ist auch diese Episode von einer Suchbewegung geprägt. Die ersten Kapitel des Lukasevangeliums sind voller suchender und besuchter Personen: Der Engel besucht Maria, diese wiederum sucht ihre Verwandte Elisabeth auf, Josef und Maria suchen nach einer Herberge, Hirten machen sich zur Krippe auf, die Weisen aus dem Osten folgen dem Stern. Und nun suchen die Eltern den zwölfjährigen Jesus.

Suchen und gefunden Werden sind also zutiefst weihnächtliche Motive. Und sie sagen etwas Wichtiges über unseren eigenen Glaubensweg: Wir haben Gott nicht im Griff. Er entzieht sich uns immer wieder um sich aufs Neue finden zu lassen, oft an ganz unerwarteter Stelle. Dabei stellt Gott uns immer wieder Zeichen und Boten an den Weg, die uns bei diesem Versteckspiel auf die richtige Fährte führen wollen. Denn Gott versteckt sich ja nur, um wieder gefunden zu werden!

Es ist beruhigend, dass Jesus auch seinen Eltern die Suche nicht erspart hat. "Kind, warum hast du uns das angetan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht" (Lukasevangelium 2,48) – ist uns Maria in diesem vorwurfsvollen Ton nicht besonders nah?

Hier ist übrigens ein kleiner Unterschied zwischen der alten und der am Ersten Adventssonntag eingeführten neuen Bibelübersetzung bedeutsam: Maria und Josef haben Jesus "mit Schmerzen" gesucht. Früher lautete dieser Vers: "Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht." Die Angst ist also dem Schmerz gewichen.

Ja, die Suche ist mit Schmerz verbunden. Nur wenn wir um den Wert des Vermissten wissen, erleben wir diesen Verlust als schmerzlich und wir setzen alles daran, das Verlorengegangene wiederzufinden. Diese Sehnsucht hat Gott auch in unser Herz gelegt.

"Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört" (Lukasevangelium 2,49) – so lautet die Antwort Jesu auf die Vorwürfe seiner Eltern. Das, was seinem Vater gehört, war für Jesus der Tempel von Jerusalem. Das, was unserem Vater gehört, ist für uns die Kirche. Das deutsche Wort "Kirche" verweist in seiner griechischen Herkunft nämlich darauf: "kyriaké – zum Herrn gehörend". Wenn wir Christus also suchen wollen, dann lässt er sich am einfachsten in seiner Kirche finden. Aber Vorsicht: Hier dürfen wir nicht die eingangs erwähnte familiäre Idylle erwarten. Wer in der Kirche etwas anderes sucht als Christus allein, der wird sich früher oder später frustriert von ihr abwenden. Kirche bedeutet Herausforderung, Enttäuschung, Schmerz. Und doch: Als Leib Christi, als Suchbewegung von Menschen mit einer grossen Sehnsucht, als Gemeinschaft bestehend aus Heiligen und Sündern ist genau sie der Raum, in dem wir Christus finden werden.

So öffnet das Fest der Heiligen Familie unseren Blick auf die Familie Gottes – in einer ganz weihnachtlichen Perspektive. In der Lesung haben wir die wunderbaren Worte gehört: "Seht, wie gross die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heissen Kinder Gottes, und wir sind es" (1. Johannesbrief 3,1). Die allen Getauften gemeinsame Gotteskindschaft verbindet uns. Die Kirche ist zwar keine heile Familie, aber sie selbst ist die heilige Familie Gottes – trotz der Schwachheit und Sündhaftigkeit ihrer einzelnen Glieder.

Leben und glauben wir als weihnachtliche Menschen in und mit der Kirche, indem wir uns wie Maria und Josef immer wieder auf die Suche nach Jesus Christus machen. Er wird sich finden lassen.

Amen.

 
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