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Sonntagsgedanke – 26. Mai 2019

«Nach einem Streit noch vor Sonnenuntergang zum Frieden zurückkehren.» So lautet eine Weisung des heiligen Benedikt im vierten Kapitel seiner Regel. Damit wird deutlich, dass der Mönchsvater ganz nüchtern davon ausging, dass es immer wieder Situationen geben wird, in denen seine Mitbrüder aufgrund unterschiedlicher Meinungen aneinandergeraten. Diese Passage zeugt von schlichter Ehrlichkeit und reicher Erfahrung: Er will weder das konkrete Zusammenleben von Menschen beschönigen noch schreibt er in einem Elfenbeinturm weitab jeglicher Realität ein naives Lebensprogramm für künftige Generationen von Mönchen.

Es ist wohl eine Binsenwahrheit: Auseinandersetzungen gehören zum Zusammenleben von Menschen. Menschen haben unterschiedliche Vorstellungen und Überzeugungen. Und wenn diese zusammenkommen, gibt es unvermeidbar Spannungen. Vielleicht ist das sogar gut so. Ja, vielleicht muss es sogar so sein. Wie ich auf eine solche Aussage komme? Zwischendurch verfallen wir wohl alle immer wieder mal der Versuchung, von einem idealen Leben, von einer idealen Familie, von einem idealen Arbeitsplatz oder von einem idealen Kloster zu träumen. Die Personen, die wir in dieser Szenerie vorkommen lassen, ziehen natürlich alle am selben Strick wie ich. Es gibt keine Querschläger, denn alle sind bereit, die gemeinsamen Aufgaben mit aller zur Verfügung stehenden Kraft mitzutragen. Wie einfach wäre doch ein solches Leben! Doch: Würde uns eine solche Idylle weiterbringen? Würde ich inmitten von Menschen, die mir ohnehin sympathisch sind, in der Liebe wachsen?

Dass unsere Liebe wächst: Das ist unsere Berufung als Christen: Dass es uns gelingt, immer mehr Menschen in unsere Liebe hineinzunehmen, indem wir über uns selbst hinauswachsen, unsere ersten Abneigungen überwinden, ja zu lieben wie Gott liebt, bedingungslos, erwartungslos. Inmitten von Menschen, die ich ohnehin gern habe, komme ich da nicht viel weiter. Wenn wir ernst machen wollen mit unserer Berufung, brauchen wir andere Übungsfelder: Menschen, die uns mit ihrer Art herausfordern und die wir im besten Fall am liebsten umgehen würden. Sie werden uns zu Stützen, rechts und links unter den Armen, mit denen wir auf den Füssen der Liebe gehen lernen, die uns letztlich dahin tragen sollen, dass es uns einst gelingen wird, sogar die zu lieben, die uns lautstark ablehnen, die uns wenig Gutes wünschen. Genauso wie Christus.

Wenn es schon der heilige Benedikt nicht tat, möchte nun natürlich auch ich keiner Naivität verfallen. Ich bin mir durchaus bewusst: Das Wachsen in der Liebe ist kein Spaziergang. Und ich möchte ihnen auch nicht vormachen, dass ich das Ziel bereits erreicht hätte. Aber ich möchte ihnen gerne skizzieren, wohin ich meinen Schritt lenken will: Dass ich all jenen, mit denen mich mein Leben zusammenführt, mit Respekt begegne, wie auch immer sie sind. Dass ich versuche, nachzuvollziehen, wieso er oder sie wohl so handelt, so reagiert, wie er bzw. sie es tut – selbst wenn es mir gänzlich gegen den Strich geht. Dass ich im Bewusstsein meiner eigenen Schwächen, mit Blick auf meine eigenen Unvollkommenheiten versuche, die Fehler des anderen anzunehmen und zu verzeihen, ohne sie zu verurteilen.

Jesus trägt uns auf, einander zu lieben – und zwar so, wie er uns geliebt hat. So hören wir in diesen Tagen in den Lesungen immer wieder. Dieses Gebot hat es in sich. Alleine schaffen wir es nicht, es umzusetzen. Aber das müssen wir ja auch nicht. Wir dürfen aus der Liebe Gottes schöpfen, wir dürfen von ihm die Kraft erbitten, andere lieben zu können. Wir tun dies im Gebet. Und in dieses Gebet hinein können wir gerade auch jene Menschen nehmen, die uns in der Liebe herausfordern. Wir können vor Gott für sie beten, ohne Angst haben zu müssen, dass dabei für uns selbst weniger von Gottes Liebe abfällt. Das ist es auch, was der heilige Benedikt in seiner Regel seinen Mitbrüdern weiter ans Herz legt: In den härtesten Auseinandersetzungen, wenn alles andere nicht fruchtet, um Spannungen zu lösen, dann soll man anwenden, wovon wir alles erwarten dürfen: Das Gebet zu Gott. Dieses Gebet berührte das Herz des Hauptmanns jener Soldaten, die Jesus ans Kreuz schlugen, dieses Gebet wandelte den bitteren Hass des Saulus zur innigen Liebe des Paulus. Dieses Gebet bewirkt vielleicht auch bei uns Wunder.

P. Thomas

 
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